Gibt es bald eine Alternative zur Notfallspritze für Diabetiker?

Zukünftig einfachere Hilfe für Angehörige und Betroffene im Unterzuckerungs-Notfall?

Bisher muss bei einer schweren Unterzuckerung Glukagon unter die Haut gespritzt werden, um dem Betroffenen umgehend zu helfen. Das setzt voraus, dass der Helfende mit dieser Spritze umgehen kann. Eine einfachere Hilfe, um das Glukagon zu verabreichen verspricht eine neue Entwicklung, bei der das Hormon über die Nasenschleimhaut verabreicht wird.

Schnelle Hilfe bei Unterzuckerung

Glukagon-HypokitViele insulinpflichtige Typ-1-Diabetiker haben es für den Notfall zu Hause liegen: das Glukagon-Notfallset (Glukagon-Hypokit). Es besteht aus einer Flasche mit Glukagon in Pulverform und einer Spritze mit Lösungsmittel. Vor dem Einsatz muss es vermischt und aufgezogen werden.  Bei einer schweren Unterzuckerung benötigt der Körper sofort schnell wirksamen Zucker. Können Betroffene sich aber selbst nicht mehr helfen, z. B. bei Bewusstlosigkeit, müssen sie derzeit darauf vertrauen, dass entweder schnell ein Notarzt gerufen wird, oder beherzte Helfer mit Hilfe des derzeit auf dem Markt erhältlichen Glukagon-Hypokit eine Injektion setzen. Die Handhabung des Kits ist aber alles andere als einfach. Bei Bewusstlosigkeit dürfen in keinem Fall Kohlenhydrate als Festnahrung oder zum Trinken gegeben werden.

Notfallhilfe per Glukagon-Nasespray?

Doch vielleicht gibt es bald eine einfachere Alternative. Denn in den USA ist bereits seit dem Sommer ein Glukagon-Nasenspray erhältlich. Dieses Mittel darf ab einem Alter von vier Jahren zum Einsatz kommen. Damit können auch ungeschulte Helfer das Medikament sicher und einfach verabreichen. Denn das Nasenspray gibt es in einem gebrauchsfertigen Applikator. Bei einer schweren Unterzuckerung können Helfer damit den Betroffenen das Spray ganz simpel wie ein gewöhnliches Nasenspray verabreichen. In der Nase wird das Glukagon über die Schleimhäute aufgenommen.

Was ist Glukagon?

Glukagon ist der natürliche Gegenspieler von Insulin. Es fördert in der Leber die Umwandlung von Glykogen in Glukose, welche anschließend ins Blut abgegeben wird und den Blutzuckerspiegel schnell erhöht.  Egal, ob Glukagon injiziert oder als Nasenspray verabreicht wird, die Anhebung des Blutzuckerspiegels soll laut Studien ungefähr gleich schnell erfolgen.

Gibt es den Notfall-Spray für Diabetiker auch bald in Deutschland?

Ende Oktober hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) ein positives Gutachten verabschiedet. Darin wird die Zulassung eines sofort einsetzbaren Notfall-Glukagon-Nasensprays bei schweren Unterzuckerungen empfohlen. Auf Basis dieser Empfehlung wird die Europäische Kommission nun in naher Zukunft eine finale Entscheidung über die Zulassung treffen – erfahrungsgemäß ist dies nach so einem positiven Gutachten nur noch eine reine Formsache. Wir drücken die Daumen :-)

Autorin

Autorin Sandra BuhlmannSandra Buhlmann, ausgebildete Diabetesassistentin und arbeitet seit 2016 als Produktmanagerin bei Mediq Direkt. Sie informiert unsere Kundenberater/-innen in den Fachgeschäften und im Kunden-Service über die jeweiligen Produkteigenschaften und stellt sicher, dass Sicherheits- und Produktinformationen von Herstellern unsere Kunden erreichen. Außerdem aktualisiert und erweitert sie regelmäßig die Mediq Diabetes Informationsbroschüren mit interessanten Inhalten.

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