Diabetes und die Macht der Worte

Negativer Wortwahl bewusst werden

Neulich bin ich auf den Blogbeitrag von Antje Thiel gestoßen, in dem sie fordert: Schluss mit negativer Sprache!  Damit regt sie auch in Deutschland eine lebhafte Debatte bezüglich der Kommunikation um und über Diabetes an. Auch mich hat dieser Beitrag nachdenklich gestimmt, denn ich schreibe als Diabetesassistentin und Produktmanagerin bei Mediq Direkt viele Texte. Mit diesen möchte ich über Diabetes und die damit verbunden Risiken aufklären, über neue Produkte und Therapien informieren und Tipps und Tricks für den Alltag mit Diabetes geben. Sachliche Richtigkeit ist mir dabei genauso wichtig wie medizinische Themen verständlich aufzubereiten und mit erklärenden Beispielen und Hintergrundwissen zu füttern. Über eine positive Wortwahl habe ich mir bislang aber nur wenig Gedanken gemacht.

Sprache bestimmt, was wir denken und fühlen

Eigentlich gibt es im Alltag genügend Beispiele, wie sich Sprache auf Denken und Handeln auswirkt. Allerdings bekommen wir den Einfluss der Worte oft gar nicht bewusst mit. Leise schleichen sich manche Vokabeln in unser Unterbewusstsein, aktivieren und festigen dort bestimmte Assoziationen.  So können Produktnamen das Geschmackserlebnis beeinflussen oder das laute Aussprechen eines Tabuwortes bei sensiblen Menschen Stresssymptome hervorrufen. 

Darstellung eines bunten AlphabetesDarstellung eines bunten Alphabetes

In der Politik oder in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter mobilisieren und überzeugen nicht immer nur Beiträge mit den besten Argumenten, sondern auch die, die Sprache klug einsetzen. Sprachbilder beeinflussen, was wir fühlen, wie wir denken, an was wir uns erinnern, wie wir handeln - und prägen damit unsere Einstellung gegenüber unserer gesamten Umwelt.

Wertungen in der Sprache vermeiden

Was bedeutet das nun für meine zukünftige Schreibweise? Mein Ziel ist nach wie vor, Menschen mit Diabetes zu ermutigen, sich aktiv mit ihrer Krankheit zu beschäftigen und sich darüber so viel Wissen wie möglich anzueignen, um im Alltag damit eigenverantwortlich umzugehen. Denn Betroffene, die aktiv ihre Therapieziele (gemeinsam mit dem Diabetesteam) erarbeiteten und erreichen, reduzieren Risiken wie Diabetes-Folgeerkrankungen. 

Formulieren? So geht's besser!

  • Wertungen vermeiden
  • Bestärkende Wörter verwenden
  • Positiv und verständlich formulieren
  • Selbstwirksamkeit hervorheben

Doch in der Regel sind Betroffene nur einmal im Quartal für 15 Minuten bei ihrer Diabetologin bzw. ihrem Diabetologen. Die meiste Zeit müssen sie alleine meistern. Dabei hat aber der Diabetes (großen) Einfluss auf den Alltag, denn er ist allgegenwärtig. Um so wichtiger ist es hier mit Sprache und Worten zu ermutigen und motivieren.

Natürlich habe ich bisher nicht absichtlich negative Formulierungen verwendet, dennoch habe auch ich vermutlich schon von "guten und schlechten" Blutzuckerwerten berichtet und damit eventuell Schuldgefühle ausgelöst. „Schlechte“ Blutzuckerwerte sind nicht automisch auf falsches Verhalten zurückzuführen, denn auch Stress, hormonelle Schwankungen oder eine einfache Erkältung lassen die Werte manchmal Achterbahn fahren, auch wenn man sich vorbildlich an alle Regeln hält. Also spreche ich von nun an von hohen oder niedrigen Werten oder einfach von Werten im persönlichen Zielbereich.

Das positive hervorheben anstatt Risiken zu bestärken

Die Wortwahl beeinflusst das VerstandeneDie Wortwahl beeinflusst das Verstandene

Jeder hat seine kleinen, liebgewonnenen Gewohnheiten im Alltag. Manchmal ist es aber besser, diese durch eine "gesündere Alternative" zu ersetzen. Dabei ist es nicht immer einfach, davon auch den "inneren Schweinehund" zu überzeugen. Um neue Abläufe und Routinen fest in den Alltag einzubauen, ist jede Menge Unterstützung und Fingerspitzengefühl gefragt.

Drohungen („Wenn Sie die Therapie nicht befolgen, dann…“)  oder Verbote („Vermeiden Sie Fast Food…“) sind dabei kontraproduktiv. Sie erzeugen eher negative Gefühle und Angst. Auch Sätze wie „Genau das habe ich Ihnen vorausgesagt“ sind für eine Verhaltensänderung nicht hilfreich.  

Ich werde ab jetzt noch bewusster meine Worte wählen und freue mich darauf, viele motivierende Beiträge für Sie zu schreiben.

Vielen Dank, Antje Thiel, dass Du uns zum Nachdenken angeregt hast!

 Den Blogbeitrag von Antje Thiel „Schluss mit negativer Sprache – warum wir auch in Deutschland eine Bewegung wie #Language Matters brauchen“ kann man hier nachlesen: https://suesshappyfit.blog/2019/07/31/schluss-mit-negativer-sprache-warum-wir-auch-in-deutschland-eine-bewegung-wie-languagematters-brauchen/

Autorin

Autorin Sandra BuhlmannSandra Buhlmann, ausgebildete Diabetesassistentin und arbeitet seit 2016 als Produktmanagerin bei Mediq Direkt. Sie informiert unsere Kundenberater/-innen in den Fachgeschäften und im Kunden-Service über die jeweiligen Produkteigenschaften und stellt sicher, dass Sicherheits- und Produktinformationen von Herstellern unsere Kunden erreichen. Außerdem aktualisiert und erweitert sie regelmäßig die Mediq Diabetes Informationsbroschüren mit interessanten Inhalten.

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