Was tun, wenn die Insulinpumpe ausfällt?

Es gibt verschiedene Situationen, in denen die Insulinpumpentherapie zeitweise unterbrochen werden kann oder muss:

  • eine gewünschte Pumpenpause im Urlaub
  • am Strand
  • in der Sauna
  • bei bestimmten Sportarten
  • bei verschiedenen Untersuchungen (CT, MRT ...)
  • während einer OP (vorher klären)
  • falls versäumt wurde, rechtzeitig notwendiges Pumpenzubehör zu beschaffen
  • infolge eines Handlingsfehlers oder technischen Pumpendefektes

Egal, aus welchem Grund die Insulinpumpe abgelegt wird, die Überbrückung der entstehenden Insulinlücke muss zeitnah erfolgen!

Als Insulinpumpenträger ist man in der ungünstigen Situation, kein Insulindepot im Körper zu haben. Dies bedeutet, dass im Falle eines Pumpen-Stopps nach ca. 1-2 Stunden das Analoginsulin oder nach ca. 2-3 Stunden das Normalinsulin über die Pumpe, eine Insulinspritze oder den Pen gegeben werden muss. Doch bevor ich darauf näher eingehe, möchte ich an einige Schulungsinhalte zum Start Ihrer Insulinpumpentherapie erinnern. 

1. Die richtige Urlaubsvorbereitung

Bei der Reisevorbereitung darf auf alle Fälle der „Ersatzteilkoffer“ nicht fehlen. Auch bei einer Pumpentherapie müssen alle lebensnotwendigen Utensilien der Injektionstherapie (CT, ICT) verfügbar sein: 

  • Not-BE (Traubenzucker, Cola ...)
  • Insulin
  • Insulinspritze bzw. Pen
  • Glukagonspritze
  • das gesamte Zubehör zum Blutzuckermessen (sowie eventuell Reserve CGM-Sensoren, Transmitter)
  • Ketonkörper-Teststreifen
  • Notfallausweis


Berücksichtigen Sie bitte unbedingt die notwendige Transport und Lagertemperatur. 

Hinzu kommt nun noch das unmittelbare Zubehör für die Pumpentherapie in ausreichender (also mindestens doppelter) Menge. Dazu gehören:

  • Infusionssets (Katheter, Kanülen und ggf. Setzhilfe)
  • Insulinpumpenreservoire bzw. Leerampullen
  • Ersatzbatterien
  • Pflaster
  • Desinfektionsspray
  • mindestens eine U100 Insulinspritze

Nutzen Sie den Service, 6-8 Wochen vor einer Reise ins Ausland bei Mediq Direkt eine Urlaubspumpe zu bestellen. Diese können und dürfen Sie nur im Notfall, also bei einem Defekt Ihrer Pumpe öffnen und mit Ihren Einstellungen programmieren und verwenden. Um alles Weitere kümmern Sie sich dann nach der Reise.

Unbedingt empfehlenswert ist es, Pumpenkurzanleitung zusammen mit Ihren aktuellen Therapiedaten, also Ihren individuellen Pumpen-, CGM- und Bolusrechnerdaten, stets bei sich zu tragen.

Welche Daten gehören dazu?

  • alle Basalratenprofile
  • Bolusrechnereinstellungen (z. B. Zeitblöcke, BE/KHE/g Faktoren, Korrekturfaktoren, Blutzuckerzielbereich, Wirkdauer und Verzögerungszeit, Snackgröße, Insulinabgabegeschwindigkeit und weitere individuell ausgetestete Anpassungen in bestimmten Situationen)
  • Einstellungen von Meldungen und Alarmen (z. B. Reservoire fast leer, Tastensperre, Autostop, Insulin an Bord)
  • Einstellungen der CGM-Alarme, Transmitter-Nummer

Ohne diese Informationen, die auf ein Blatt Papier passen, können Sie weder die Zeit eines gewünschten, noch die eines Notstopps der Pumpe adäquat mit Insulin abdecken. Bedenken Sie, dass Sie bei einem Ausfall Ihrer Pumpe an all diese therapieentscheidenden Informationen nicht mehr herankommen, Ihr behandelndes Diabetesteam bereits Feierabend haben könnte und Ihr Computer eventuell weit weg ist …

2. Regelmäßige Kontrolle und Pflege

  • Gleich welche Insulinpumpe Sie nutzen, kontrollieren Sie regelmäßig das Gehäuse auf mögliche Risse und tiefe Schrammen. An diesen Stellen könnte evtl. Feuchtigkeit in die Pumpe eindringen und zum Totalausfall führen.
  • Wann haben Sie zuletzt den Batteriefachdeckel erneuert? Sollte es keine Möglichkeit geben, sich diesen rezeptieren zu lassen, wenden Sie sich bitte an den Mediq Direkt Kundendienst. Wird dieser Deckel nicht alle 3–12 Monate gewechselt (s. Herstellerempfehlungen), erhöht sich das Risiko, dass auf einer porösen Gummidichtung das Wasser beim Baden, Schwimmen oder Schwitzen die Pumpe eindringt.
  • Ist das Display noch komplett und gut erkennbar? Falls sich das Display verfärbt hat, die Anzeige an Leuchtkraft deutlich nachgelassen hat Kratzer kein eindeutiges Ablesen der Anzeige mehr möglich machen, wenden Sie sich an den Mediq Direkt Kundendienst.

3. Gab es in der letzten Zeit unerklärliche Fehlermeldung oder Alarme?

Auch in diesem Fall wenden Sie sich bitte an den Kundendienst und halten für Nachfragen folgende Informationen bereit:

  • Pumpenname, Seriennummer und Maßeinheit
  • seit wann nutzen Sie diese Pumpe, besteht noch Garantieanspruch?
  • die genauen Fehlercodes bzw. -meldungen, Problembeschreibung
  • Namen und Chargennummer verwendeten Infusionssets, Kanülen bzw. Reservoire 

Der Ernstfall

Haben Sie mit Ihrem Diabetesteam  bereits in Ruhe über einen kurzfristigen Wechsel Pumpentherapie auf Pen gesprochen, wird es Ihnen auch im Falle eines technischen Pumpenausfalles trotz Stress und Aufregung gut gelingen, die Insulinlücke bis zum Eintreffen einer Austauschpumpe zu schließen. Überprüfen Sie dennoch Zubehör und Ihre Einstellungsdaten auf Haltbarkeit und Aktualität.

Nur in Ausnahmefällen (z. B. bei Schwangeren oder Kindern bis 12 Jahre) können Ersatzpumpen schon vor dem Auftreten eines Problems nach der Auslieferung der eigentlichen Pumpe beim Hersteller angefordert und im Notfall eingesetzt werden. Geht die eigentliche Pumpe kaputt, muss diese dann reklamiert werden.

Ansonsten können Sie sich bei technischen Ausfällen, Handhabungsschwierigkeiten oder anderen technischen Notfällen an den Pumpen-Notruf von Mediq Direkt unter 0800-0560580 wenden. Diese Nummer steht Ihnen 24 Stunden täglich zur Verfügung. Wenn Sie die technische Einweisung für Ihre Pumpe von Mediq Direkt erhalten haben, finden Sie diese Notfallnummer auch auf der Rückseite Ihrer Pumpe.

Im Notruffall werden zusätzlich zu den unter Punkt 3 genannten Informationen noch Ihre Adressdaten (die bei Mediq Direkt bekannte sowie im Bedarfsfall Ihre vorübergehende Adresse in Deutschland) und die Telefonnummer, über die Sie für weitere Rückfragen erreichbar sind, aufgenommen.

Sollte sich das Problem nicht sofort lösen lassen und eine Ersatzpumpe benötigt werden, (erfolgt meist innerhalb von 24 Stunden) müssen Sie diese Zeit mit Insulinboli über Spritze bzw. Pen überbrücken. Dafür sind engmaschige Blutzuckerkontrollen notwendig. Starten Sie die Bolusgabe zum Ersatz der Basalrate erst ca.  zwei Stunden nach dem Pumpenstop, um eine Wirküberlappung zu vermeiden. 

Sollte Ihr Diabetesteam Ihnen keine andere Empfehlung gegeben haben, können Sie entweder vom Pumpeninsulin

  • alle 2-3 Stunden die Summe der für die letzten 2-3 Stunden programmierten Basalrate per Bolus spritzen (Achtung: um gefährliche Unterzuckerungen zu vermeiden, nicht aufrunden. Beachten Sie auch, dass bei größerer körperlicher Aktivität eine Dosisreduktion sinnvoll sein kann.)

oder 


  • alle 3 Stunden Analoginsulin bzw. alle 4 Stunden Normalinsulin entsprechend Ihrer Korrekturregel spritzen.
 
Diese Boli können Sie natürlich mit Ihrem Essenbolus kombinieren. Ein Umstieg auf ICT mit Verzögerungsinsulin ist nur bei längerer Pumpenpause empfehlenswert. Bitte holen Sie sich zeitnah Unterstützung durch Ihr Diabetesteam! Fordern Sie gern auch bei Mediq Direkt den „Ratgeber Insulinpumpe“ an, der viele nützliche Tipps und Hinweise rund um das Thema Pumpentherapie bietet. Ich wünsche Ihnen, dass keine Probleme mit Ihrer Insulinpumpe auftreten. Und falls doch, keine Panik! Je besser Sie vorbereitet sind, desto stressärmer können Sie richtig reagieren. 
 
Alles Gute! - Ihre Ulrike Holzmüller, Diabetesberaterin DDG, Leipzig

 

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