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Was ist CGM?

26. Juni 2014 | News

CGM zeigt Schwankungen, die sich mit HbA1C und Blutzuckermessung alleine nicht bestimmen lassen.

Seit 1999 sind alltagstaugliche Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (engl. CGM = continuous glucose monitoring) in Deutschland erhältlich. Je nach Modell wird alle 1–5 Minuten ein aktueller Glukosewert angezeigt. Die quasi kontinuierliche Messung lässt den vollständigen Glukoseverlauf des Tages und der Nacht auf einen Blick erkennen. Ein Wunschtraum von Diabetikern und Diabetes-Profis ging damit in Erfüllung.

Die kontinuierliche Glukosemessung revolutioniert die Diabetestherapie in mehrfacher Hinsicht:

  • Die CGM ist ein wirkungsvolles Instrument zur Therapieoptimierung und -überwachung. Nie zuvor war es Diabetikern möglich, das Stoffwechselgeschehen im Alltag so hautnah zu verfolgen und die Diabetestherapie so gezielt anzupassen.
  • Die CGM führt zu einer neuen Denkweise und in der Folge zu neuen Therapieprinzipien. Der einzelne Glukosewert verliert an Bedeutung. Stattdessen rücken Faktoren in den Vordergrund, die die Bewegung des Glukosespiegels darstellen, und die den unmittelbar bevorstehenden Verlauf erahnen lassen: Ist der Glukosespiegel im Moment stabil oder verändert er sich? In welche Richtung bewegt er sich und wie schnell tut er das? Mithilfe dieser CGM-Informationen (Glukosetrend, Glukoseverlauf) sind bessere Therapieentscheidungen möglich als mit den zwar sehr präzisen, aber nur punktuellen Blutzuckermesswerten alleine.
  • Die CGM kann Unterzuckerungen reduzieren. Zahlreiche Alarmfunktionen warnen im Vorfeld und bei Eintreten einer Unterzuckerung, so dass der CGM-Anwender frühzeitig gegensteuern kann. Diese Absicherung gegen Unterzuckerungen ermöglicht erstmals eine normnahe Stoffwechseleinstellung, ohne das Risiko vieler Unterzuckerungen eingehen zu müssen.
  • Die CGM kann auf diese Art mehr Therapievertrauen schaffen und die Lebensqualität erheblich verbessern.
  • Die CGM macht sämtliche Glukoseschwankungen sichtbar („glykämische Variabilität“). Vermutlich erhöhen häufige Schwankungen das Risiko für die Entwicklung diabetischer Folgeerkrankungen, und zwar unabhängig von der Höhe des HbA1C.

Doch ähnlich wie die Insulinpumpentherapie ist auch die kontinuierliche Glukosemessung kein Selbstläufer. Sie kann nur unter bestimmten Bedingungen zur Verbesserung der aktuellen Therapie beitragen:

  • Patienten und Diabetesteams müssen geeignet sein
  • Für jeden Einzelfall muss eine realistische Fragestellung definiert und ein geeignetes CGM-Verfahren ausgewählt werden
  • Diabetiker, die ein CGM-System mit Anzeige aktueller Glukosewerte verwenden, benötigen eine ausführliche CGM-Schulung. Diese Notwendigkeit besteht unabhängig davon, ob das System einmalig oder dauerhaft getragen wird.

CGM-KuveFunktionsprinzip der erhältlichen CGM-Systeme

Die aktuell verfügbaren CGM-Systeme messen nicht direkt den Blutzucker, sondern den Glukosegehalt in der Zwischenzellflüssigkeit (Interstitium) des Unterhautfettgewebes, den sogenannten Gewebezucker. Das liegt vor allem daran, dass der interstitielle Raum einer kontinuierlichen Messung wesentlich besser zugänglich ist als die Blutbahn und dass das Risiko für Infektionen geringer ist.

Ähnlich einem Insulinkatheter wird auch ein CGM-Sensor in das Unterhautfettgewebe eingeführt, wo er von der Zwischenzellflüssigkeit „umspült“ wird und so kontinuierlich deren Glukosekonzentration messen kann. Der Gewebezuckerspiegel ist dem Blutzuckerspiegel sehr ähnlich, allerdings mit einer wichtigen Ausnahme:
Steigt der Blutzucker schnell an oder fällt er rasch ab, wirkt sich das erst einige Minuten später auf den Gewebezucker aus. Folglich können die Glukosewerte, die ein CGM-System anzeigt, dem Blutzucker in diesen Situationen nicht ganz genau entsprechen.

Bei diesen Systemen wird eine Messelektrode ins Unterhautfettgewebe eingestochen. An der Spitze dieser Elektrode wird der Gewebezucker enzymchemisch kontinuierlich gemessen. Im Prinzip funktioniert das so ähnlich wie bei einem konventionellen Blutzuckerteststreifen, nur dass die CGM-Elektrode wesentlich kleiner ist und dass der Glukosespiegel eben nicht nur ein einziges mal, sondern nahezu kontinuierlich gemessen wird. Damit der Körper die Messelektrode während der mehrtägigen Tragedauer nicht abkapselt oder abstößt, wird sie vom Hersteller mit gewebeverträglichen Schutzschichten bzw. Membranen umgeben.
Die aktuell verfügbaren CGM-Systeme nach Elektroden-Prinzip haben zahlreiche Gemeinsamkeiten. Die Messelektrode wird mit einer Einführhilfe im Unterhautfettgewebe platziert und durch ein integriertes Pflaster fixiert.

Anschließend wird die Elektrode mit einem kleinen Sender (auch „Transmitter“ genannt) verbunden, der die Messwerte drahtlos an ein Anzeige-Gerät („Monitor“ bzw. „Receiver“) überträgt. Nach einer verblindeten Phase von 1–2 Stunden („Warmlaufzeit“) wird das System mit einer Blutzuckermessung kalibriert. Fortan zeigen die Systeme je nach Hersteller alle 1–5 Minuten einen aktuellen Glukosewert an. Ungefähr ein- bis dreimal am Tag muss das CGM-System mit einem Blutzuckertest kalibriert werden (Intervalle variieren je nach Hersteller).

Wichtiger Hinweis: Die Informationen von der kontinuierlichen Glukosemessung, sollen die mittels herkömmlicher Blutzuckermessgeräte bestimmten Informationen zum Blutzuckerspiegel ergänzen, keineswegs jedoch ersetzen. Die unter der bisherigen Diabetestherapie empfohlene Anzahl von Blutzuckermessungen wird weiterhin durchgeführt.

 

CGM-PrinzipWarum stimmen Blutzucker und CGM-Glukose nicht immer überein?

Offiziell sind die aktuellen CGM-Systeme nur zur Ergänzung der konventionellen Blutzuckermessungen zugelassen, nicht zu deren Ersatz. Vergleichende Untersuchungen zum Verlauf des Blutzuckerspiegels und der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM-Glukose) wurden vielfach durchgeführt. Solange der Glukosespiegel konstant ist, stimmen Blutzucker und CGM-Glukose gut über. Wenn die Blutglukose rasch steigt oder fällt, dauert es jedoch ca. 5–25 Minuten, bis sich auch die CGM-Glukose entsprechend bewegt (sogenannter „Time Lag“ – engl. für „Verzögerung“). Auf diese Weise können z. B. nach den Mahlzeiten oder beim Sport deutliche Abweichungen entstehen. Außerdem werden extreme Blutzuckerspitzen und ‑täler „abgeflacht“

Die CGM-Glukosewerte entsprechen nicht immer exakt den Blutzuckerwerten. Bei schneller Änderung hinkt die CGM-Glukose dem Blutzuckerspiegel um ca. 5–25 Minuten hinterher („Time Lag“).

Nur nach ordnungsgemäßer Kalibrierung kann ein CGM-System realistische Glukosewerte anzeigen. Die Kalibrierung sollte in einer Phase stabiler Glukosewerte erfolgen, d. h. nicht nach einer Mahlzeit oder beim Sport. Wird dagegen bei rasch steigendem oder fallendem Blutzucker kalibriert, können gravierende Abweichungen entstehen.

CGM kann den HbA1C senken und die Diabeteseinstellung verbessern. In mehreren randomisierten, kontrollierten Studien1,2,3,4 hat sich gezeigt, dass mit Hilfe von CGM folgendes möglich ist:

  • Senkung des HbA1C um bis zu 1 % ohne Anstieg der Rate schwerer Hypoglykämien1,3,4
  • Geringere glykämische Variabilität3
  • Mehr Patienten erreichen den von Diabetes Fachgesellschaften (z. B. DDG) empfohlenen Zielwert des HbA1C 1,2,3

Blogs & Links zum Thema:

www.laufen-mit-diabetes.de
www.mein-diabetes-blog.com

 

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