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Insulin aus der Zelldose

20. Juni 2014 | News

biorekator

Das Hormon Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), genauer gesagt von den Inselzellen dort gebildet. Beim gesunden Menschen steigt nach der Nahrungsaufnahme der Blutzuckerspiegel an und der Körper schüttet Insulin aus. Dieses sorgt dafür, dass die Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gelangen kann, wo sie als Energielieferant benötigt wird. Der Blutzucker sinkt wieder. Beim Typ-1-Diabetes fehlt das Hormon, weil das Immunsystem die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Deswegen sind Typ-1-Diabetiker auf externe Insulinzufuhr z. B. durch Spritzen angewiesen. 

Schon lange wird geforscht, in wieweit die Transplantation von Bauchspeicheldrüsen oder insulinproduzierenden Inselzellen Typ-1-Diabetikern helfen könnte. Am Dresdner Universitätsklinikum konnten sogar schon erste Erfolge verbucht werden. Doch der Mangel an Spenderorganen sowie die Notwendigkeit, dauerhaft Medikamente einzunehmen, die das Abstoßen des transplantierten Organs verhindern, begrenzen diese Optionen.


Spenderzellen im Tarnanzug

Normalerweise setzt das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) Abwehrmechanismen in Gang, sobald es körperfremde Substanzen identifiziert hat. Dies dient unter anderem dem Schutz vor Krankheitserregern wie z. B. Bakterien, Viren oder Pilzen. Hochwirksame Medikamente können die natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegenüber körperfremdem Gewebe verhindern. Aber sie schwächen das körpereigene Immunsystem und bergen ein erhöhtes Krebsrisiko. Da diese Medikamente das Immunsystem unterdrücken, werden sie als Immunsuppressiva bezeichnet. Die medikamentöse Therapie heißt Immunsuppression.
 
Deshalb werden in Dresden ganz neue Wege beschritten: Zum ersten Mal weltweit wurde am Dresdner Universitätsklinikum einem Patienten mit Typ-1-Diabetes ein künstliches Pankreassystem eingepflanzt, in dem körperfremde Inselzellen wie in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) das lebenswichtige Insulin produzieren. Dies berichtete die Universität letzten Herbst in einer Mitteilung. Rund ein Jahr blieb der kleine Bio-Reaktor in Form einer flachen Dose im Körper des Patienten. Seine Besonderheit: Das künstliche Pankreassystem - entwickelt von einem israelischen Unternehmen -  macht anders als bei sonstigen Organ- und Gewebetransplantationen die  Immunsuppression überflüssig. 

Der Bio-Reaktor schützt die Spenderzellen vor Angriffen des Immunsystems, lässt jedoch umgekehrt das Insulin in den Körper gelangen. Durch eine Membran kann das Insulin aus dem Reaktor freigesetzt werden, die für die Inselzellen gefährlichen Antikörper des Patienten können aber nicht eindringen. Allerdings muss der Patient den Bio-Reaktor täglich mit Sauerstoff betanken, denn auch dieser kann durch die Membran nicht zu den Inselzellen gelangen. Damit also die Inselzellen am Leben bleiben, muss mit einer Spritze in einen der zwei Sauerstoffzugänge unter der Haut gestochen und Sauerstoff eingespritzt werden. Alternativ wird derzeit an einer Methode geforscht, wo Algen die Sauerstoffproduktion direkt im Bio-Reaktor übernehmen sollen. So könnte man dann sogar auf die Sauerstoffzugänge und das Sauerstoffspritzen verzichten.


Spenderzellen auch vom Schwein möglich

Prof. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdner Uniklinikum, ist überzeugt, dass das neue System die Diabetestherapie zukünftig revolutionieren kann. Denn entfällt die Abwehrreaktion des Körpers, könnten künftig sogar insulinproduzierende Zellen vom Schwein eingesetzt werden. Menschen vertragen Schweineinsulin sehr gut.  „Müssen die Empfänger von Spenderzellen nicht mehr lebenslang Immunsuppressiva nehmen und könnte man so das Problem der fehlenden Spenderorgane umgehen, könnten viel mehr Menschen mit Diabetes als bisher von einer Inselzelltransplantation profitieren“, so der Dresdner Diabetes-Experte.Doch serienreif ist dieser Bio-Reaktor noch nicht. Bevor mehr Menschen vom Dresdner Forschungserfolg profitieren können, sind weitere Studien und Entwicklungen notwendig. „Wir schätzen, dass das System in fünf Jahren eine Therapieoption in der Behandlung des Diabetes sein wird“, so Professor Bornstein.


Kommentare

2 Kommentare zu Insulin aus der Zelldose

Mediq Direkt Diabetes Kundenservice | 17. November 2015

Hallo Frau Prochotta, wir können über Neuigkeiten informieren, Therapievorschläge geben wir als Diabetesfachhandel nicht. Bitte wenden Sie, bzw. Ihre Schwester, sich an den behandelnden Arzt Ihrer Schwester. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg.

Prochotta, Simone | 14. November 2015

Pankreasresektion im Februar 2015 seitdem schwankender BZ sowie Starke Bauchkrämpfe und sehr schlechte Gewichtszunahme. Welche Möglichkeiten kämen für meine Schwester in Frage um die Lebensqualität zu verbessern. Wünschenswert wäre ein Vorstellungstermin in ihrer Klinik.

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