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DDG - Neues aus Industrie und Forschung

18. Mai 2016 | News

Der Ruf des DDG nach Berlin


Wie jedes Jahr fand über Himmelfahrt der 51. Diabetes Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) statt, dieses Jahr unter dem Motto „Diabetologie interdisziplinär“.

DDG Kongress Deutsche DiabetesgesellschaftEs ist ein Kongress für Ärzte und anderes medizinisches Personal. Rund 6000 Teilnehmer besuchten Fachvorträge, Workshops, Diskussionsrunden und die Industrieausstellung. Natürlich war auch Mediq Direkt mit einem Informationsstand vertreten. Diabetologen, Hausärzte, Diabetesberater/-innen, Diät- und Diabetesassistenten/-assistentinnen sowie anderes Fachpersonal nutzten die Möglichkeit, sich vor Ort über die von Mediq angebotenen Serviceleistungen sowie über unser kompetentes Versorgungskonzept zu informieren. Vor allem aber werden auf dem DDG Neuheiten und Trends aus Industrie und Forschung vorgestellt. Manche Produkte sind schon auf dem Markt, andere werden demnächst erhältlich sein. Auch neue Theraphieansätze wurden vorgestellt und diskutiert.

Stefanie John aus unserem Schulungsteam und Sandra Buhlmann vom Produktmanagement haben sich für Sie umgeschaut und informiert und möchten hier einige besonders interessante Neuheiten vorstellen:

 

Roche & Senseonics planen ein neues CGM System

Auf dem Stand von Roche wurde das CGM-System von Senseonics vorgestellt. Es bestehend aus einem Sensor, dem Eversense Smart Transmitter und der dazu passenden Smartphone-App.  Der Sensor selbst ist so groß wie eine Arzneimittelkapsel und wird für 90 Tage unter die Haut implantiert (kleiner ambulanter Eingriff). Der Eversense Smart Transmitter muss mithilfe eines Pflasters am Oberarm darüber geklebt werden. Alternativ wird ein Haltegurt angeboten. Wichtig: der Eversense muss täglich 15 Minuten aufgeladen werden. Die Gewebeflüssigkeits-Daten werden via Bluetooth an die dafür vorgesehene Smartphone-App gesendet wo sich der Anwender über seine Zuckerverläufe informieren kann. Roche gab aber noch keinen konkreten Termin bekannt, ab wann dieses System erhältlich sein wird.

 

Eine ganz einfache Insulinpumpe von YPSOMED

Neben dem mylife OmniPod  soll es eine einfache Insulinpumpe „ohne viel drum herum“ geben. YPSOMED präsentierte die neue Insulinpumpe „mylife Ypsopump“ – das intuitive Pumpensystem. Hierbei handelt es sich um eine einfache Insulinpumpe mit zwei Basalraten und einem 1,6 ml Reservoir. Bedient wird die Pumpe, sprachunabhängig durch ICONS (Symbole), via Touchscreen. Sie hat weder Fernbedienung noch CGM, einfach nur das Nötigste zur Insulinpumpenversorgung. Die Orbit-Katheter „360° Bewegungsfreiheit“ sind mit einem Spezial-Anschluss versehen und als Stahl- und Teflonkanüle in verschiedenen Längen erhältlich. Es wird sowohl selbst befüllbare wie auch vorgefüllte Ampullen mit Insulin geben. Welches Insulin verwendet werden wird, konnte noch nicht bekannt gegeben werden. Die Markteinführung der „mylife Ypsopump“ ist für Ende 2016 geplant.

 

Buntes von Berlin Chemie

Insulinpen areo 3Berlin Chemie stellte den neuen Insulinpen „PerliPen areo-3“ vor. Neben einer verbesserten Lesbarkeit der Dosisanzeige, einer optimierten Gewindeoberfläche, einer hör- und fühlbaren Dosiseinstellung sowie fünf brillanten Metallicfarben (schwarz, blau, gelb, grün, rot) erhält man diesen in einem komfortablen schwarzen Etui. Dieses bietet Platz für zwei Pens, hat ein großes Zubehörfach, ist besonders leicht zu reinigen und hat ein sehr geringes Gewicht.

 

Der erste Bluetooth-Insulin-Pen

Bestandteil des ESYSTA Systems ist der ESYSTA® BT-Pen, das ESYSTA Lab (Blutzuckermessgerät), die ESYSTA Basis (Empfangsgerät) und das ESYSTA Portal. Das System funktioniert schnell und präzise per Datenübertragung.  
Der Insulinpen ESYSTA® BT-Pen ist für alle Insuline anwendbar, beinhaltet ein 3 ml Reservoir und ist in den Farben schwarz und weiß erhältlich. Weiterhin überträgt dieser automatisch die Daten (Datum, injizierte Insulindosen, Uhrzeit, und Temperaturwarnung) an die ESYSTA Basis oder eine App.

Die Blutzuckermessung erfolgt mit einem Bluetooth-fähigen Blutzuckermessgerät, z. B. ESYSTA Lab oder dem Accu-Chek Aviva Connect, welches die Daten direkt an die App weiterleitet. Auch die Benutzung eines herkömmlichen Blutzuckermessgerätes ist möglich. Hierbei sind die Messdaten manuell in der App zu hinterlegen.

Das ESYSTA Portal dient der ständigen Analysierung von Daten. Die Auswertung der Daten ist grafisch dargestellt. Abweichungen von Zielbereichen sind via Ampelsystem farblich gekennzeichnet. Patienten können Ihre Grafiken direkt an den Arzt weiterleiten oder zur kommenden Sprechstunde dem Arzt vorlegen.

 

Mitschnitte, Infos und Erkenntnisse aus den Fachvorträgen

Spritzhügel erkennen und vermeiden

DDG Kongress Deutsche DiabetesgesellschaftHerr Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl referierte über die Problematik von Spritzstellen. Immer wieder haben Patienten für sich selbst unerklärliche Blutzuckerschwankungen. Ein Grund dafür können Lipohypertrophien (geschwulstartige Verdickungen des Unterhautfettgewebes) sein. Ursache dafür sind häufig benutzte Spritzstellen. Spritzt man in eine solche sein Insulin, kann dies nicht mehr gleichmäßig im Körper weitertransportiert werden und die Wirkung ist unkalkulierbar. Ziel ist die Sensibilisierung von Patient und Praxispersonal im richtigen Erkennen von solchen Lipohypertrophien. Am Ausstellerstand von Becton Dickinson konnten interessierte an einem Dummy Lipohypertrophien ertasten.

Referent: Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl, Facharzt für Innere Medizin/Angiologie/Rehabilitations- wesen/Sportmedizin/Diabetologe DDG/ Sozialmedizin, Bad Kissingen

Zahlen, Daten, Fakten – Wer nutzt die Insulinpumpentherapie?

Vorgestellt wurde die deutschlandweite Verteilung von Kindern mit Typ-1-Diabetes unter Insulinpumpentherapie. Relativ gering war die Anzahl mit ca. 25% in Bremen, Bayern, Sachsen-Anhalt. Relativ hoch in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mit 40-50%.

Insulinpumpentherapie in Deutschland

 

 

 

 

 

 

 

 

Weltweit betrachtet zeigen sich deutliche Unterschiede in der Anzahl an insulinpflichtigen Kindern mit Insulinpumpe je nach Alter. Betrachtet man die Altersgruppe der Kinder unter sechs Jahre mit Insulinpumpentherapie wird deutlich, dass Deutschland und Österreich mit ca. 70% den höchsten Anteil haben. Hält  man die Anzahl  innerhalb der Altersgruppen 10-14 oder 14- 18 Lebensjahre daneben ist erkennbar, dass die USA hier deutlich zulegen.

Insulinpumpentherapie weltweit

Die  Fr1da-Studie

Typ 1 Diabetes: Früh erkennen - Früh gut behandeln


Ziel ist es, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen bevor sie überhaupt ausgebrochen ist, um eine lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose), zu vermeiden. Die betroffenen Familien können ruhig und intensiv mithilfe verschiedener Schulungsprogramme auf das Krankheitsbild Diabetes Mellitus vorbereitet werden.

Fr1da StudieDie Untersuchung wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern (U7, U7a, U8 und U9) oder einer Routineuntersuchung per Blutanalyse durchgeführt. Das Blut wird auf sogenannte  Inselzellautoantikörper (z. B. GAD, IAA, ICA) untersucht. Die Teilnahme an der Fr1da-Studie kann bei registrierten Kinderärzten in Bayern durchgeführt werden. Dies sind derzeit etwa 520 Ärzte. Interessierte Eltern können ihr Kind einfach anmelden. Voraussetzungen für die Teilnahme an der Studie sind, dass die Kinder im Alter zwischen zwei und 12 Jahren sind, beim Bluttest mindestens zwei Inselzellantikörper positiv getestet wurden jedoch der Zuckerbelastungstest (oGTT) unauffällig war.

Kinder, die Antikörper im Blut aufweisen, haben die Diagnose „früher Typ-1-Diabetes“ erhalten. So wurden 39.049 Kinder untersucht, bei 122 Kindern (0,3%) wurde ein „früher Typ-1-Diabetes“  diagnostiziert. Diese Kinder erhalten über 12 Monate hinweg eine Kapsel mit 67,5 mg Insulinpulver, dies kann z. B. in einem Joghurt gerührt werden. Das Insulin wirkt nicht blutzuckersenkend sondern soll ähnlich einer Schutzimpfung das Immunsystem positiv beeinflussen. Derzeit wird die Studie auf weitere Bundesländer ausgeweitet.

Medikamentöse Therapie bei Diabetes-Typ-1

Derzeit wird ein neuer Therapieansatz, orale Antidiabetika, für Menschen mit Typ-1-Diabetes getestet.  Die Patienten erhielten neben ihrem Insulin zusätzlich ein orales Antidiabetika. Im Verlauf zeigte sich einer Senkung des HbA1c-Wertes und Gewichtsreduktionen. Es kam zu geringeren Anstiegen des Blutzuckers nach dem Essen. Momentan ist aber noch keines der oralen Medikamente für die Therapie des Typ-1-Diabetes zugelassen.

Neues Schulungs- und Behandlungsprogramm zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) für Menschen mit Diabetes-Typ-1

Im Rahmen des kontinuierlichen Glukosemonitoring- (CGM) weiterentwicklung ist es von immenser Bedeutung, die Patienten ausführlich auf deren Anwendung und Interpretation zu schulen aber auch weiter zu betreuen. Zwei Arbeitsgemeinschaften der DDG, die Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Technologie (AGDT) und die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD, haben gemeinsam ein herstellerunabhängiges CGM-Schulungs- und Behandlungsprogramm entwickelt.
Das Programm erhielt den Namen SPECTRUM. Das Akronym steht für "Schulungs- und Behandlungsprogramm für eigenständiges continuierliches Glucose-Monitoring". Spectrum gibt es in drei verschiedenen Versionen, dem Erwachsenen-, Kinder- und Jugendmodul.

Ein Blick in die Glaskugel:  Die künstlichen Bauchspeicheldrüse (Artifical Pankreas)

BauchspeicheldrüseMit Hochdruck wird an einem Gerät geforscht, das völlig selbsständig den Blutzuckerspiegel misst und überwacht und automatisch die richtige Dosis Insulin abgibt.  Diese so genannte künstliche Bauchspeicheldrüse ist der Traum vieler Typ-1-Diabetiker. Und es gibt bereits erste Systeme, die in klinischen Studien über einen längeren Zeitraum erfolgreich getestet wurden. Die Entwicklung der Artifical Pankreas kann man in 3 Generationen oder Stufen einteilen. Die erste Generation ist bereits erhältlich. Hierbei handelt es sich um die Insulinpumpen MiniMed Veo und MiniMed 640G von Medtronic, die in Kombination mit den Enlite Glucosesensoren dafür sorgen Hypoglykämien durch automatische Abschaltung der Insulinzufuhr auf Grundlage der Sensorwerte zu vermeiden.

Die zweite Generation wurde bereits erfolgreich getestet. Zusätzlich zum Sensor und der Insulinpumpe wird dabei ein Kontroller benötigt, der die im Unterhautfettgewebe gemessenen Glukosewerte verarbeitet und mit Hilfe eines Algorithmus die Insulinabgabe über die Insulinpumpe steuert. Nur so kann das System auf Blutzuckerschwankungen schnell und richtig reagieren. Es gibt derzeit 3 verschiedene Algorithmen, die z.B. nach dem aktuellen Glukosewert, dem voreingestellten Zielwert, dem Glukoseverlauf der letzten 30 Minuten, dem aktuellen Verlauf (steigend, gleichbleiben, fallend) und/oder dem im Vorfeld bereits abgegebenen Insulin berechnen wieviel Insulin benötigt wird. Die Insulininfusion wird aller 5-10 Minuten angepasst.

Zukunftsmusik ist derzeit noch die dritte Generation, das sogenannte closed Loop. Hier wird alles automatisch gesteuert. Dazu werden allerdings neue Sensoren, schnellere Insuline und ggf. Bewegungssensoren oder Herzfrequenzmesser benötigt. Denn der Kontroller benötigt nicht nur die Glukosewerte sondern auch Informationen darüber, wieviel man sich bewegt.

Bei allen 3 Stufen wird die Regulierung des Glukosewertes allein über die Insulinzufuhr gesteuert. Ob ein System mit Insulin und dem Gegenspieler Glukagon eine bessere Wirkung erzielen kann ist noch unklar. Zumal hierfür ein Dualkatheter und ein stabiles Glukagon benötigt werden. Letzteres ist noch nicht vorhanden.


Insgesamt waren die vier Tage in Berlin vollgepackt mit Informationen, Diskussionen, interssanten Gesprächen und Vorträgen. Wir sind gespannt auf die neuen Entwicklungen und halten Sie selbstverstänldich auf dem Laufenden.

 

Zum Weiterlesen gibts hier den offiziellen Pressebericht der Deutschen Diabetes Gesellschaft




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