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Zwischen Hunger und Übergewicht

30. Mai 2016 | Menschen & Mediq

DIABETES HILFE FÜR WEST-AFRIKA

Zwischen Hunger und Übergewicht

Afrika ist der zweitgrößte Kontinent der Erde. Rund 1,1 Milliarden Einwohner leben in 55 Staaten. Spektakuläre Landschaften, verschiedene Klimazonen, die kulturelle Vielfalt der unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen mit mehr als 2000 Sprachen und beeindruckende Tier und Pflanzenwelten faszinieren viele Europäer.

Doch der Kontinent der Gegensätze ist auch für seine Probleme bekannt. Sofort denkt man an Armut, Kriege und Hunger und hat die Bilder von ausgemergelten Kindern, mit großen Augen und dicken Bäuchen im Kopf. Auch Malaria, Aids, Ebola und Tuberkulose assoziiert man mit diesem Kontinent. Aber Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes?

Doch wie in allen Entwicklungsländern weltweit, ist die Krankheit Diabetes auch in Afrika auf dem Vormarsch. Laut Experten rolle eine „gewaltige Diabeteswelle“ durch Afrika. Der für viele Afrikaner so erstrebenswerte westliche Lebensstil wird per TV jeden Tag gezeigt, und aus Fernsehspots bekannte Fertiggerichte, Coca-Cola und Chips gehören dazu. Diese „Amerikanisierung“ des Lebensstils ist an sich schon problematisch. Dazu kommt jedoch, dass in afrikanischen Ländern höherer Körperumfang häufig mit Reichtum assoziiert wird: Wer dick ist, gilt als gesund. Denn Aidskranke sind dünn. Und wer dick ist, kann sich offenbar Essen leisten, ist also nicht arm.

Doch ohne öffentliches Bewusstsein für die Folgen von Übergewicht, für Diabetes und Bluthochdruck, fehlt auch die notwendige Bereitschaft für eine Änderung des Lebensstils und die Aufmerksamkeit für die Früherkennung. In einer afrikanischen Studie wussten drei Viertel aller an Diabetes Erkrankten nichts von ihrem Leiden. Im Schnitt wird die Diagnose erst sieben Jahre nach Auftreten der ersten Symptome gestellt; viele erfahren es nie. „Ich habe einen Tuberkulosetest machen lassen, ich weiß alles Mögliche über Aids oder Krebs, aber über Diabetes weiß ich nichts“, berichtet eine junge Afrikanerin.

Aber auch Menschen, bei denen Diabetes diagnostiziert wurde, werden oftmals nicht optimal behandelt. Zu wenige Kliniken in erreichbarer Nähe, Geldmangel oder ein Defizit an benötigten Medikamenten oder Zubehör sind die Hauptgründe. So ist die Sterblichkeitsrate für Diabetiker in Afrika zehnmal höher als z. B. in England. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes, die auf Insulin angewiesen sind, ist diese Rate noch höher.

Um diese Situation zu ändern, hat Georges Ezeani bereits 2007 den Verein „Diabetes Care West Africa“ gegründet. Ezeani (51) ist in Nigeria geboren, lebt jedoch seit Jahren in Mannheim. Der medizinisch technische Assistent investierte all seine Ersparnisse und setzt sich mit seinem Verein für die Förderung von Früherkennung und Aufklärung rund um das Thema Diabetes ein. Er veranstaltet kostenlose Screenings, gibt Koch-Workshops, Diabetes- Schulungen, und bietet Unterstützung für betroffene Kinder und Erwachsene in Westafrika an. Ziel ist die Verbesserung der medizinischen Grundversorgung und der Lebensqualität in den afrikanischen Dörfern und Städten.

„Als ich nach Deutschland kam, wusste ich recht wenig über Diabetes. Erst während meiner Arbeit am Forschungszentrum der Uni-Klinik Frankfurt am Main kam ich mit dem Thema in Berührung. Da wurde mir klar, dass viele Todesfälle in meinem Heimatland weniger mit Voodoo als mit den Folgen von Diabetes zu tun hatten. Ich wollte mein Wissen unbedingt mit den Menschen dort teilen und sie bestmöglich unterstützen“ so Ezeani.

Doch viel Unterstützung seitens der west-afrikanischen Regierungen gibt es nicht. Obwohl Ezeani und sein Verein beispielsweise die kostenlose Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal im Bereich Diabetes anbieten, gibt es nur wenig Nachfrage. Vielen Regierungen fehlt schlichtweg das Bewusstsein für diese Krankheit oder sie sind derzeit mit anderen Problemen beschäftigt. Deshalb ist Ezeani, inzwischen selbst ausgebildet zum Diabetesassistenten, für seine Arbeit auf Sach- und Geldspenden angewiesen. Seine Vision ist es, möglichst viele Menschen mit seinen Früherkennungsmaßnahmen zu erreichen und ein „mobiles Diabetes- Labor“ ins Leben zu rufen.

Für sein jahrelanges Engagement wurde Ezeani im letzten Herbst mit dem Thomas-Fuchsberger Preis geehrt. Dieser wird jährlich in Gedenken an den vor fünf Jahren verstorbenen Sohn von Fernsehlegende „Blacky“ Fuchsberger verliehen. Der an Typ-1 erkrankte Thomas Fuchsberger war im Alter von 53 Jahren durch eine Unterzuckerung in einen Bach bei München gestürzt und auf tragische Weise ertrunken. Der Preis wird jährlich an eine ehrenamtlich tätige Person verliehen, die sich für die Aufklärung und die praktische Hilfe im Umgang mit der Krankheit einsetzt. Eine unabhängige Jury aus Ärzten, Wissenschaftlern, Diabetesberatern und Betroffenen wählt den Preisträger. Jurypräsident ist Prof. Dr. Hellmut Mehnert, jahrelang behandelnder Arzt von Thomas Fuchsberger. Joachim Fuchsberger hat bis 2013 selbst den Preis überreicht, seitdem sind seine Enkel Jennifer und Julien in seine Fußstapfen getreten.

Sie möchten den Verein und Herrn Ezeani unterstützen? Dann spenden Sie an: 

Diabetes Care West Africa
Naspa Bank Wiesbaden
IBAN: DE17 510 0015 0110 2704 36
SWIFT bzw. BIC: NASSDE55

Weitere Informationen finden Sie auch unter: 



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