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Vier Wochen lang gesunde Luft und frisches Obst

1. Oktober 2014 | Menschen & Mediq

Kindererholung und Schule für Kinder mit Diabetes aus Tschernobyl:

Vier Wochen lang gesunde Luft und frisches Obst

Attacke auf das Erbgut

Anders als bei jeder anderen Katastrophe nehmen die Folgen einer radioaktiven Verstrahlung mit dem Abstand vom Ereignis zu. Das Problem stellt sich wie eine auf dem Kopf stehende Pyramide dar: Fuku-shima befindet sich noch unten in der Spitze. Tschernobyl ist da schon ein Stück höher: Heute merkt man die Auswirkungen in den Veränderungen der Genen und des Erbguts - 28 Jahre nach der Katastrophe werden die sozialen und gesundheitlichen Spätfolgen immer deutlicher sichtbar. Es gibt keinen Bereich des Lebens, der nicht betroffen ist.

Kinder besonders betroffen

Besonders bei den nach der Katastrophe Geborenen ist ein drastischer Anstieg von Organ-, Blut- und Knochenmarkkrebs zu verzeichnen. Hinzu kommen Störungen des Immunsystems, Erkrankungen der Atemwege, Allergien, Erkrankungen der Leber und der Verdauungsorgane. Aber auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes treten deutlich häufiger auf. Heute ist das Problem vor allem das Cäsium und die damit verbundene Niedrigstrahlung. Es befindet sich in der Nahrungskette und gelangt so in den Darm von Schwangeren. Die Bauchspeicheldrüse der Kinder in der Gebärmutter wird dabei in ihrer Entwicklung gestört. Die aber produziert das Insulin und gehört zu den sensibelsten Organen. Im Bezirk Gomel in Weißrussland hat sich bereits in den ersten 16 Jahren nach der Katastrophe die Zahl der Kinder mit Diabetes Typ-1 verdoppelt.

Doch die Region um Tschernobyl steht nicht allein da. Angesichts dieser Ausmaße der Katastrophe gibt es zahlreiche Initiativen und Vereine, die Hilfen auf den verschiedensten Gebieten anbieten und das zum Teil schon seit vielen, vielen Jahren. So auch der Verein „Initiative Kinder von Tschernobyl" e. V. mit seinem Vereinssitz in Kamenz. Seit 1990 können sich Kinder aus der Katastrophenregion bei Gastfamilien in der ostsächsischen Stadt einige Wochen erholen. Seit 1996 gibt es außerdem das Weißrussisch-Deutsche einzigartige Projekt „Schule – Leben mit Diabetes". Der Verein, der in der Region eigentlich nur unter dem Namen „Tschernobylverein" bekannt ist, organisiert zusammen mit weißrussischen Partnern Erholungs- und Schulungsaufenthalte für diabeteskranke Kinder aus der noch immer stark verstrahlten Region.

Auch in diesem Jahr reisten am 1. August 20 Kinder mit Diabetes im Alter von 9-16 Jahren und deren Betreuer an. Um die Betreuung rund um die Uhr zu ermöglichen, wurden diese Kinder im schönen Vereinskinderhaus untergebracht, und es erwartete sie ein interessantes und vielseitiges Erholungsprogramm.

„Während des vierwöchigen Aufenthaltes sollen sich die Kinder erholen und ihr extrem geschwächtes Immunsystem stärken. Vor allem aber lernen die Mädchen und Jungen mit ihrer Krankheit besser umzugehen und sie zu verstehen" erzählt Ludmila Maruschkewitsch, die ehrenamtlich im Partnerverein in Minsk als Leiterin der Initiative „Leben mit Diabetes" arbeitet und für die Betreuung der Kinder in Kamenz verantwortlich ist. Unterstützt wird sie von weiteren Fachkräften aus Weißrussland, wie z. B. einer Kinderärztin und einer Krankenschwester.

 Initiative Kinder von Tschernobyl

Für die Kinder ist es überaus wichtig zu erkennen, dass sie trotz ihrer Krankheit ein ganz normales Leben führen können. Dafür gestalten und organisieren ehrenamtliche Helfer und Vereinsmitglieder ein abwechslungsreiches Programm. Hierzu gehören natürlich das Kennenlernen der Sehenswürdigkeiten der Lessing- stadt Kamenz, Tagesfahrten in die Sächsische Schweiz und nach Dresden, Erholung bei Sport und Spiel sowie künstlerische Selbstbetätigung und Freiraum zur individuellen Eigenbetätigung. Spielerisch wird so jede Beschäftigung, jede Wanderung und jedes Erlebnis zu einer Übung für das Leben mit Diabetes.

„Die Kinder lieben besonders das Obst, das es hier gibt", verrät Christina Zickler, Vereinsvorsitzende und Projektleiterin. „Denn frische Früchte sind in Weißrussland schlichtweg Mangelware, Vitamine aber für ihr geschwächtes Immunsystem besonders wichtig."

Finanziert wird der Verein ausschließlich aus Spenden. Auch in diesem Jahr erhielten die Kamenzer Helfer die erforderlichen Blutzuckermessgeräte, Teststreifen, Pens und alle sonstigen Materialien als Spenden von Roche Diagnostics und Mediq Direkt. Außerdem halfen regionale Bäcker und Händler bei der täglichen Versorgung der Gäste. So wurden die vier Wochen zu einem unvergesslichen Erlebnis für die Kinder und deren Betreuer. Gestärkt und mit neuer Kraft kehrten sie in ihre Heimat zurück. Was bleibt, sind Eindrücke, die ihr Leben prägen werden.

Helfen Sie mit!

350 Euro kostet so ein Aufenthalt für ein Kind mit Diabetes. Da der Verein keinerlei Fördermittel erhält, ist er dringend auf Spenden angewiesen. Wenn auch Sie helfen wollen – das Spendenkonto des Vereins lautet:

Kontoinhaber:tschernobylverein Logo
Initiative Kinder von Tschernobyl e. V.
IBAN:
DE17 8505 0300 3100 1601 50
BIC:
OSDDDE81XXX
bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden

Weitere Informationen über die Vereinsarbeit finden Sie unter: 
www.tschernobyl-verein-kamenz.de

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