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Momente aus sechs Jahren Diabetes

27. Mai 2014 | Menschen & Mediq

Juni 2006 – ein sehr warmer Sommer. Mein 4-Jähriger Sohn Tim, dem ich für gewöhnlich jeden Tropfen zu trinken hinterhertragen musste, trank plötzlich von alleine. Hurra. Doch halt: Er trank und trank und trank, sogar das Zahnputzwasser und dann war da auch noch das nächtliche Einnässen seit einigen Tagen. Gerade war der kleine grippale Infekt überstanden und ich wollte eigentlich nicht mehr mit ihm zum Arzt, aber diese Situation gefiel mir gar nicht. Also haben wir uns trotz Genesung noch einmal bei unserer Kinderärztin vorgestellt. Bereits in den ersten 5 Minuten der Behandlung
stand fest: Frau K. ihr Sohn leidet vermutlich an Diabetes. Gehen sie bitte nach Hause und packen Sachen für einen ca. 10-tägigen Krankenhausaufenthalt. Wir melden sie in der Klinik in Rostock an.
Es drohte eine heile Welt zusammen zu brechen. Schließlich war der Junge doch erst 4 Jahre alt.
Noch nie musste ich mich mit Blutzuckerwerten, Kohlenhydratberechnungen und Umrechnungsfaktoren in Insulineinheiten befassen. Heute ist dies alles eine Selbstverständlichkeit
für uns geworden.

Inzwischen ist Tim 10 Jahre alt und besucht als ganz normaler Schüler die Gesamtschule. In den ersten 17 Monaten nach der Manifestation des Diabetes erfolgte die Therapie mittels Pen. Am Tag
nachdem Tim mit 5 Jahren das Seepferdchen erfolgreich im Rahmen der Vorschule gemacht hatte,
sind wir dann zur stationären Insulinpumpeneinstellung aufgenommen worden. Seit November 2007 leben wir nun mit einer Insulinpumpe.

Dank aufgeschlossener und lernwilliger Erzieherinnen im Kindergarten konnte ich, inzwischen alleinerziehend, berufstätig bleiben und wusste meinen Sohn trotzdem gut betreut. Einzig zu besonderen Höhepunkten wie Kindergartenabschlussfahrt oder auch Klassenfahrten in der Schule war meine Anwesenheit eine Erleichterung für das Betreuungs- bzw. Lehrerpersonal.

Die Grundschule hat Tim in einer Integrativklasse mit 15 Schülern und 3 Integrativschülern absolviert. Dort wurde beispielsweise durch einen erhöhten Personaleinsatz im Sportoder Schwimmunterricht die Betreuung der Schüler einschließlich der Integrativschüler abgesichert. Einen Auslandurlaub mit dem Flugzeug als Reisemittel haben wir uns inzwischen auch schon getraut/gegönnt. Seit 5 Jahren sind wir Mitglied in unserer Selbsthilfegruppe „Ostsee-Stechmücken“. Hier lernten wir viele gleichbetroffene Kinder und Eltern kennen, tauschten Erfahrungen aus und haben schon viele
schöne Stunden während gemeinsamer Unternehmungen verbracht.

Inzwischen ist Tim sogar schon für 4 Wochen alleine zur Reha in Bad Kösen gewesen. Dort hat er viel in Bezug auf Selbstständigkeit im Umgang mit Diabetes gelernt und sein Selbstbewusstsein gestärkt.
Wie doch die Zeit vergeht. Nun leben wir schon sechseinhalb Jahre mit dem Diabetes. Rückblickend
bin ich froh über die gute ärztliche und materielle Versorgung, die wir in Anspruch nehmen können. Schön wäre es, dies eines Tages auch von der Zusammenarbeit mit Ämtern behaupten zu können, denn unsere Rechte mussten wir uns weitestgehend erkämpfen.


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