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Ein Leben mit Diabetes - Wende und Wandel in 54 Jahren

20. Juni 2014 | Menschen & Mediq

Köhler

Wissen und Erfahrungen für Patienten und Ärzte

Mit seinen 70 Jahren könnte Hans-Joachim Köhler natürlich seinen Ruhe­stand genießen. Dennoch trifft man ihn mindestens an zwei Tagen in der Woche in der Diabetes-Spezialambulanz des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden. 

Dort versteht er sich als Bindeglied zwischen Ärzten sowie Pumpenherstellern auf der einen und den Pumpenträgern auf der anderen Seite. Und das zu Recht, denn vor 54 Jahren an Diabetes erkrankt, erhielt er 1983 als erster Dresdner eine Insulinpumpe. 

Außerdem ist Hans-Joachim Köhler Medizintechniker, genauer gesagt: Fachingenieur der Medizin. Viele Jahre stand er in diesem Beruf Chirurgen in der Forschung und im Operationssaal zur Seite, bis er schließlich in der Diabetologie landete.
Diabetesalltag vor 50 Jahren 

Viel Wissen und Erfahrung verdankt er dabei seiner eigenen Diabetesgeschichte. Als die Krankheit bei ihm 1957 im Alter von 17 Jahren diagnostiziert wurde, sah der Alltag eines Diabetikers noch völlig anders aus als heute. 

“Täglich zwei Mal wurde Langzeitinsulin gespritzt, aus Mehrweg-Spritzen mit Stahlnadeln in 20 Gauge [entspricht einem Durchmesser von ca. 0,9 mm]. Diese mussten nach jedem Gebrauch ausgekocht werden“ erinnert sich Hans Joachim Köhler.  „Einfach zu Hause den Blutzuckerwert messen ging nicht. Nur einmal im Monat wurde ein so genanntes Tagesprofil durchgeführt. Dazu wurde mehrmals am Tag Blut abgenommen und ein Labor stellte dann die Blutzuckerwerte fest.“ Das machte es natürlich nicht möglich, Hyperglykämien  und besonders Hypoglykämien rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. 
Auch der Gedankenaustausch mit anderen an Diabetes erkrankten Jugendlichen war nicht so einfach. Weiterbildungen, Schulungen oder einfach nur Erfahrungen auszutauschen war oft nur im Diabetes-Institut »Gerhardt Katsch« in Karlsburg  bei Greifswald möglich, wo die meisten jugendlichen Diabetiker in der ehemaligen DDR betreut wurden.  Dennoch hat Hans Joachim Köhler seine Studentenzeit in vollen Zügen genossen und auch auf das Motoradfahren nicht verzichtet: „Das ist wohl eine Frage der Einstellung, etwas Disziplin ist schon nötig, aber das ist mir nie schwer gefallen.“


Die Neugier hat gesiegt

Und dann kam das Jahr 1983: Für eine Studie wurden in Karlsburg 15 Diabetiker gesucht, die sich als Insulinpumpen-Testpersonen  zur Verfügung stellen. „Natürlich habe ich anfangs etwas gezögert, schließlich war das ja etwas völlig Neues. Aber die Neugier hat dann doch gesiegt und die Technik hat mich interessiert.“

So wurde aus Hans-Joachim Köhler einer der ersten Insulinpumpenträger der DDR. „Ich bekam die Promedos E1 von Siemens“. 
Obwohl die „erste richtige Insulinpumpe“ für Köhler ein Meilenstein in seiner Diabetestherapie war, hat dieser „Pumpendinosaurier“ nicht mehr viel mit den heute erhältlichen Modellen gemeinsam. Diese Pumpe konnte Insulin nur in einer konstanten Basalrate abgeben, einstellbar am mittleren Rädchen. Dazu wurde ein so genannter Tunnelkatheter verwendet, ähnlich einem kleinen Kunststoffschlauch, der jeden Monat neu von einem Arzt chirurgisch durch die Haut eingesetzt werden musste. Damit sich das Insulin optimal verteilte, musste Köhler den Schlauch unter der Haut alle drei Tage gut zwei Zentimeter herausziehen. 

Kurze Zeit später erhielt Hans-Joachim Köhler sein erstes Blutzuckermessgerät, mit dem er eigenständig zu Hause seinen Blutzuckerwert messen konnte: „Für mich der größte Fortschritt in meiner Therapie. Schließlich kann ich meine Krankheit nur dann optimal behandeln, wenn ich meine exakten momentanen Blutzuckerwerte kenne.“


Gefragter Ansprechpartner für Ärzte und Patienten

Köhler bekam seit dem Mauerfall im Rahmen seiner Tätigkeit im Universitätsklinikum Dresden fast jedes neue Pumpenmodell  auf seinen Tisch und konnte so die verschiedenen Geräte ausgiebig testen. Dadurch wurde er zum Ansprechpartner für viele  Ärzte, die sein Fachwissen bis heute schätzen. Köhler reiste auch zu vielen Kongressen und Fachveranstaltungen im In- und Ausland und diskutierte hier mit Ärzten, Entwicklern und Diabetikern.  Doch wirklich am Herzen liegt ihm die Motivation der Patienten. „Trotz meiner langen Diabetesgeschichte fühle ich mich mit meinen 70 Jahren fit, fahre Fahrrad und Ski und bin sogar vor Kurzem noch auf die Zugspitze gestiegen. Die Insulinpumpe hat ganz sicher ihren Anteil daran. Ich hoffe, ich kann anderen Patienten Mut machen und ihnen mit meinen Erfahrungen den Diabetesalltag etwas erleichtern.“


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