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Gute Zeiten, schlechte Zeiten - 50 Jahre mit Diabetes

20. Juni 2014 | Menschen & Mediq

Gisela Fischer

Eine Kundin betritt freudestrahlend den Mediq Direkt Diabetesladen auf dem Gelände der Universitätsklinik in Dresden und berichtet Frau Fischer, die hier schon seit 18 Jahren Kundenberaterin ist, stolz von ihrem bestandenen Examen. Frau Fischer betreut diese Kundin schon seit vielen Jahren. “Ich freue mich immer über die Erfolge meiner Kunden, denn aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viel Disziplin und Durchhaltevermögen manchmal nötig ist, um trotz Diabetes seine Ziele im Leben zu erreichen“. 

Frau Fischer weiß, wovon sie spricht: 1963 wurde bei ihr im Alter von 13 Jahren Diabetes diagnostiziert. „Damals hatte ich einfach nur Angst. Nach einem dreimonatigen Klinikaufenthalt wurde ich mit einem strengen Diätplan und mit der Anweisung, mich zwei Mal täglich zu spritzen, entlassen.“ Eine andere Therapieform als diese „Festeinstellung“ gab es damals noch nicht.  Das war für ein 13-jähriges Mädchen nicht einfach: essen nur nach genauem Zeit- und Diätplan, die Spritzzeiten mussten minutiös eingehalten werden und jeder Infekt, jede noch so kleine Störung des Stoffwechsels hatte oft einen mehrwöchigen Klinikaufenthalt zur Folge, denn eine genaue Blutzuckerwertbestimmung war nur im Labor möglich.  „Doch meine Familie und meine Freunde kümmerten sich rührend um mich. Mit ihrer Unterstützung habe ich trotz massiver Fehlzeiten mein Abitur geschafft. Ich versuchte so normal wie möglich zu leben, mein Umfeld war mir gegenüber sehr aufgeschlossen. Ich glaube, heute ist es viel schwieriger, über eine Behinderung so offen zu sprechen.“ 

Für Spontanität jedoch blieb wenig Raum. Die Handhabung des Diabeteszubehör war damals weit weniger komfortabel als heutzutage. Kanülen und Spritzen mussten vor dem Gebrauch sterilisiert werden, zerbrechliche Glasspritzen waren für den Transport nur bedingt geeignet. Auch die damals einzige Methode, den Blutzuckerwert zu Hause selber zu bestimmen, war sehr aufwendig: Urin musste gesammelt und  gekocht werden und nach Zugabe von so genannten Glycoratorreagenz konnte der Urinzucker festgestellt werden. Da die Werte erst am nächsten Tag abgelesen werden konnten, diente diese aufwendige Prozedur einzig der Beobachtung des Stoffwechselverlaufs in groben Zügen. Zu einer optimalen Einstellung trugen sie nicht bei. „Ich hielt mich wirklich immer streng an alle Anweisungen, auch wenn das zur Folge hatte, dass ich beispielsweise nicht spontan mit Freunden essen konnte oder auf Freizeit­aktivitäten verzichten musste, weil ich fürchtete, nicht rechtzeitig zu Hause zu sein, um zu essen oder zu spritzen. Trotzdem fühlte ich mich oft müde und schlapp. Vollzeit zu arbeiten erschien mir unmöglich.“ 

333 DDR-Mark bedeuteten die Wende. So viel zahlte Frau Fischer 1990 für ihr erstes Blutzuckermessgerät, das Glucometer II. Mit genauen Blutzuckerwerten und neuen Insulinen die nach der Wiedervereinigung auf dem Markt waren,  war auch die Umstellung auf die intensivierte konventionelle Insulintherapie möglich. Das Gefühl, das die neue Flexibilität und Freiheit hervorrief, können wahrscheinlich nur Menschen mit ähnlichem Schicksal nachvollziehen. Starre Diätpläne und feste Essenszeiten gehörten ab sofort der Vergangenheit an. „Ich kann mich noch genau an meinen ersten Eisbecher erinnern – ein unbeschreibliches Gefühl. Auch Kuchen und andere Leckereien waren nicht mehr absolut tabu. Außerdem konnte ich auf Blutzuckerschwankungen direkt reagieren. Ich fühlte mich viel fitter und leis­tungsfähiger. Bergwanderungen in den Alpen waren genau so möglich wie eine Vollzeitbeschäftigung. Außerdem lernte ich, auch durch meine Arbeit bei Mediq Direkt vormals DIA REAL, mit meiner Krankheit besser umzugehen. Je mehr ich lernte desto sicherer fühlte ich mich. Auch wenn ich mit dem Diabetes leben muss, meinen Alltag bestimmt er nicht mehr.“


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Kommentare

1 Kommentare zu Gute Zeiten, schlechte Zeiten - 50 Jahre mit Diabetes

Weinig Luitgard | 4. Dezember 2015

Mein Name ist Luitgard Weinig, 59 Jahre und wohne in Kitzingen. Ich habe seit Jan 1971 Diabetes Typ1. Auch ich litt als Jugendlicher damals schwer unter den strengen Spritz- und Diätauflagen. Aber ich fand mit der Zeit einen Weg, meinen Blutzucker zu beherrschen. -Der Sport-. Damals wurde ich mit 2 mal täglich spritzen von insgesamt 100 Einheiten tierisches Insulin entlassen. Mein Hausarzt hatte keine Ahnung mit meiner Krankheit umzugehen und so hatte ich auch einen vierteljährlichen Klinikaufenthalt hinter mir. Das war aber auch schon mein Einziger. Mein Beruf im Labor der Uniklinik Würzburg gab mir die Gelegenheit an mehreren Diabetesstudien als Propandin teilzunehmen. Dabei habe ich sehr viel dazu gelernt. Mein straffer Tagesablauf wurde deutlich flexibler. Den Sport aber dabei nie ausser Acht gelassen. Ich muss aber dazu sagen, das mich Radfahren, Tennis Skifahren, Joggen und Schwimmen, egal welches Wetter immer begleiteten. Mit 40 J. wurde ich schwanger und brachte einen gesunden Sohn zur Welt. GOTT SEI DANK habe ich bis heute keine Folgeschäden. Trotz meines Alters (59) treibe ich noch heute täglich Sport. Dadurch ist mein Insulinbedarf sehr gering.

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