Service-Hotline 0800 3 42 73 25

Diabetes Riding Camp

19. Januar 2015 | Menschen & Mediq

DIABETES RIDING CAMP

Pferde helfen durchs Pubertätschaos

Die Schule nervt, Eltern sind uncool und alles ist fürchterlich kompliziert und anstrengend – gemeint ist die Zeit zwischen elf und 18 Jahren, auch Pubertät genannt. Neben den körperlichen Veränderungen ist die Pubertät eine Zeit des Zweifelns und der Unsicherheit. Teenager fühlen sich nicht mehr als Kind, aber die Welt der Erwachsenen erscheint oft unverständlich und mysteriös. Es kommt einiges zusammen: das Gefühlschaos der ersten Liebe, Probleme mit dem veränderten eigenen Körper, Sinnkrisen… Manchmal scheint die ganze Welt aus den Fugen zu geraten. Wenn der Körper, der sich auf einmal so drastisch verändert auch noch krank ist, verlieren viele Heranwachsende die Balance.


Warum muss ausgerechnet ich anders sein?

Viele Jugendliche mit Diabetes stellen sich genau diese Frage – und müssen erst lernen, ihren inneren Frieden mit dieser Diagnose zu schließen. Wie schwer vielen Teenagern der Alltag mit Diabetes fällt, sieht Dr. Karl Florian Schettler, Oberarzt am Kinderkrankenhaus St. Marien in Landshut, jeden Tag. Doch wie kann man diesen Jugendlichen helfen, besser mit ihrer Diagnose umzugehen? Ein Gedanke drängte sich dem engagierten Kinderarzt und Diabetologen bei dieser Überlegung sofort auf: Das Pferd könnte eine Lösung sein. Denn als passionierter Reiter weiß Schettler zum einen, wie wertvoll Tiere bei der Therapie von kranken Menschen sind. Und zum anderen, dass es kaum ein anderes Tier gibt, das so sensibel mit dem Menschen interagiert wie der galoppierende Vierbeiner.„Ein Pferd reflektiert den Gemütszustand des Reiters“, erklärt der Mediziner.

Verantwortung übernehmen und miteinander reden 

Im April 2013 fand das erste Diabetes Riding Camp statt. Neun Jugendliche mit Typ-1 Diabetes verbrachten zusammen mit drei Betreuern – einer Kinderkrankenschwester, einer Diabetesberaterin und Dr. Schettler – fünf Tage auf einem Reiterhof im Bayerischen Wald. Neben „ganz normalen“ Schulungen zum Umgang mit der Krankheit wurde jedem Kind ein Pferd zur Pflege an die Seite gestellt. Die Jungs und Mädchen striegelten und fütterten die Tiere, führten sie auf die Koppel und misteten den Stall aus. Und wer Lust hatte, konnte Reitstunden nehmen. Durch die körperliche Arbeit mit den Tieren sollten die Jugendlichen ein Gefühl für ihren eigenen Körper entwickeln und lernen, auf seine Signale zu achten. „Pferde spüren die Herzfrequenz eines Reiters. Sie merken, wie er atmet und wie sein Gemütszustand ist“, erklärt Schettler die besondere Wirkung der Tiere auf den Menschen. „Strahlt ein Reiter zum Beispiel Unsicherheit aus, werden die Pferde ihm nicht folgen. Aber gerade für Kinder, die eher schwächlich erscheinen, können Stuten richtige Muttergefühle entwickeln.“ Neben diesen körperlichen und mentalen Aspekten sollten die Teenager lernen, Verantwortung zu übernehmen. Und natürlich spielte auch die Gemeinschaft eine große Rolle: „Wir saßen oft zusammen und haben ganz locker über Diabetes gesprochen“, berichtet Schettler. Gerade dieses Beisammensitzen in gemütlicher Runde mit anderen Betroffenen hat dazu geführt, dass viele sich offen ihren Kummer von der Seele geredet haben: Was muss ich beachten, wenn ich auf eine Party gehe? Wie sage ich anderen, zum Beispiel der ersten Liebe, dass ich Diabetes habe? Kann ich meinen Wunschberuf trotzt meiner Krankheit ausüben? – Das waren Themen, die den Kids ganz besonders unter den Nägeln brannten. Diese Woche auf dem Reiterhof zeigte den Teilnehmern, dass sie nicht alleine sind und macht ihnen Mut zu einem selbstbewussten Umgang mit der Krankheit.

Doch ist von diesen Gesprächen etwas geblieben? Hat das Camp den Teilnehmern wirklich etwas gebracht? Die Antwort darauf lautet ganz eindeutig: Ja! Das bestätigten die Jugendlichen gegenüber ihren Betreuern und den Eltern sowie in nach dem Camp ausgefüllten Fragebögen. Doch nicht nur mental hat die Zeit auf dem Reiterhof die Teenager vorangebracht. Auch gesundheitliche Verbesserungen werden konkret überprüft: „Wir haben vor und werden nach dem Camp den Langzeitzucker der Jugendlichen messen und vergleichen“, erklärt Schettler. Das erklärte Ziel ist natürlich der Nachweis: Die Zuckerwerte der Teilnehmer sind nach dem Camp sehr viel besser als zuvor.


"Jeder Schritt zählt": Laufen für das Diabetes Riding Camp

Überzeugt von dem Projekt möchten Schettler und sein Team das Camp nun gerne regelmäßig durchführen. Der nationale Diabetesdachverban diabetesDE, in dem Ärzte, Patienten und Diabetesberater gemeinsam vereint sind, unterstützt die Idee bereits. Wie jedes Jahr organisierte diabetesDE auch im letzten November wieder eine Informationsveranstaltung zum Weltdiabetestag. Diesmal in Leipzig, fand neben vielen Aktionen, Informationsveranstaltungen und einem großen Ausstellerbereich auch wieder der Diabetes-Walk statt. Ca. 100 Teilnehmer trafen sich, um zu beweisen, dass bereits 30 Minuten strammes Spazierengehen den Blutzuckerwert nachweislich senken kann. Dafür wurde bei jedem Teilnehmer vor und nach dem Lauf der Blutzucker gemessen. Unter dem Motto „Jeder Schritt zählt" konnten alle Teilnehmer außerdem noch etwas Gutes tun, denn Mediq Direkt spendete pro Teilnehmer 25 Euro für das Diabets Riding Camp.


Möchten Sie mithelfen, das Diabetes Riding Camp regelmäßig stattfinden zu lassen, dann spenden Sie an:

DiabetesDE, Deutsche Diabetes-Hilfe

Stichwort „Riding Camp“
Spendenkonto 60 60
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 100 205 00
IBAN: DE59 1002 0500 0001 1888 00
BIC: BFSWDE33BER

Mehr Infos gibt’s auch unter www.diabetesridingcamp.de

Folgende Beiträge könnten Sie noch interessieren

Schreiben Sie ein Kommentar