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30.000 km durch Thailand, Myanmar & Vietnam

9. November 2015 | Menschen & Mediq

FAMILIE BECK UNTERWEGS

30.000 km durch Thailand, Myanmar & Vietnam

 
Wir, das sind Herta und Werner Beck, folgen unserem Plan, die Welt, also alle Kontinente und alle Länder, die mit dem Auto erreichbar sind, ausgiebig zu bereisen. Neben meiner Frau ist der Diabetes seit über 30 Jahren mein ständiger Begleiter.
Seit 15 Jahren trage ich eine Insulinpumpe. Doch das konnte uns noch nie von unseren Abenteuern abhalten. Nach etwa 100 Ländern und der Verschiffung unseres Land Cruisers „HZJ“ von Südafrika nach Singapur sowie der interessanten Etappe durch Malaysia (siehe update 1/2015) warten nun 30.000 Kilometer per Land Cruiser, Moped, Bus und Bahn quer durch Thailand, Myanmar und Vietnam auf uns.


THAILAND – WEIHNACHTEN MIT SONNE, STRAND UND MEER

In Phuket warten wir auf unsere Tochter samt Familie. Mit ihnen werden wir Weihnachten feiern. Niemand ist glücklicher als die Oma und ihre Enkel, der Opa freut sich natürlich auch. Wir verbringen zusammen zwei wunderschöne Wochen. Doch wie stets findet auch alles Schöne viel zu schnell ein Ende, und erneut brechen wir auf Richtung Bangkok, von wo aus wir nach Vietnam fliegen werden. Den HZJ, unser Heim auf Rädern, parken wir mitten in Bangkok auf dem Chinesischen Friedhof.


MYANMAR – ERST SEIT 2011 FÜR TOURISTEN WIEDER ZU BEREISEN

In Myanmar müssen wir leider auf unseren HZJ verzichten. Die kommunistische Regierung will keine fremden Fahrzeuge im Land haben und wenn, dann nur unter Aufsicht. Also fliegen wir nach Yangon – leider ohne meinen geliebten Kühlschrank, der das Insulin immer auf Idealtemperatur hält. Ich habe die vier Insulinflaschen, die ich für die vier Wochen in Myanmar brauche, in einen nassen Waschlappen gewickelt. Die Verdunstung soll es kühlen. Wobei ich schon hoffe, ab und zu in einem Guesthouse auf einen Kühlschrank zu stoßen.


AYEYARWADY DELTA – WO SIND NUR DIE SÜSSWASSERDELFINE

Nach der ausgiebigen Besichtigung Yangons kreuzen wir mit einem Seelenverkäufer, der sich Expressboot schimpft, durch das 15.000 Quadratkilometer große Ayeyarwady
Delta. Hier hoffen wir, ein paar der letzten Süßwasserdelfine zu entdecken. Meine Frau kauft reichlich haltbare BE in Form von Keksen ein, denn auf dem Pott gibt es keinerlei Versorgungsmöglichkeiten. Außerdem wissen wir nicht, wo und wann das Schiff anhalten wird.

Der Fluss ist 2.170 km lang und ist die immer dichter besiedelte Lebensader Myanmars. Deshalb finden auch die empfindlichen kleinen Delfine kaum noch genügend Lebensraum. Leider sehen wir keinen einzigen Delfin, aber dafür entdecken wir in Bogalay unter unserem Bett eine tote Ratte. Dem Geruch nach fault sie schon längere Zeit vor sich hin.


MANDALAY – BLATTGOLD 50 ZENTIMETER DICK!

Das Highlight Mandalays ist die Mahamuni Pagode. In ihr ruht eine sitzende Buddha Figur, die vor 2.500 Jahren noch zu Lebzeiten Buddhas nach dessen Abbild angefertigt worden sein soll. Seine Stirn zieren mehr Edelsteine als die Stirn jedes anderen gekrönten Hauptes der Welt. Allein in den letzten Jahrzehnten wurde die Buddha Statue von den Gläubigen so verehrt, dass bis zu zehn Tonnen Blattgold auf sie geklebt wurde. Das hauchdünne Blattgold ist an manchen Stellen bis zu 50 Zentimeter dick. Deswegen können wir Einzelteile wie Hände bzw. Finger nicht mehr erkennen.

Da es in Myanmar sehr heiß war und wir in einfachen Unterkünften nur selten einen Kühlschrank fanden, half nur fleißiges Wässern des „Insulin-Waschlappens“. Das Insulin war immer in der Rucksackmitte, wo es am kühlsten ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Insulin mehr Wärme aushält als gedacht wird.

Wieder zurück in Bangkok auf dem Chinesischen Friedhof sind wir froh, dass unser HZJ noch genauso dasteht, wie wir ihn verlassen haben. Abgesehen vom Motorraum. Dort liegen feinsäuberlich abgenagte Knochen. Irgendein Tier hat sich diesen Platz anscheinend als Wohnhöhle ausgesucht.


VIETNAM – EINE 5000 KILOMETER MOPEDTOUR

Dummerweise können wir Vietnam ebenfalls nicht mit unserem HZJ bereisen – zu teuer und zu viel Bürokratie. Etwa zwei Monate möchten wir dort unterwegs sein. Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht so unser Ding, denn wir sind es gewohnt, spontan zu stoppen, wenn etwas Interessantes passiert. Also brauchen wir ein eigenes Gefährt und machen uns in Hanoi auf die Suche nach einem Moped.

Schon nach zwei Tagen sind wir stolze Besitzer einer neuen Honda Future. Geplant ist, dass wir sie in Saigon am anderen Ende Vietnams wieder verkaufen. Trotz aller Vorteile des Mopeds gibt es auch ein kleines Problem: Großes Gepäck findet keinen Platz! Das bedeutet, wir müssen uns auf das wirklich Notwendigste reduzieren, wobei Katheter, Reservoire, Insulin, Zuckermessstreifen und Zuckermessgeräte viel Platz belegen.

Ich nehme immer 30 Prozent mehr Insulin und Messstreifen mit, denn man weiß ja nie. Außerdem habe ich immer eine Ersatz-Insulinpumpe und ein zusätzliches Messgerät dabei. So ausgerüstet bin ich bisher noch nie in Probleme gekommen.


MASSENSTART UND SPITZE OHREN

An jeder roten Ampel geht es zu wie in Le Mans. Alle Mopedfahrer drängen nach vorne. Um uns herum ist ein Höllenlärm. Wer den Gang nicht schnell genug rein bringt, wird überrollt. Bei diesem Gedränge kämpft man Lenker an Lenker um jeden Zentimeter. Heti krallt sich an mir fest. Ihr Ausruf: „Die spinnen doch alle!“, geht im Motorenlärm unter.

Unser erstes Abendessen besteht aus verschiedenen Sorten Grillfleisch. Es sieht lecker aus und schmeckt auch so. Doch als Heti bezahlt, fällt ihr auf, dass der kleine „Schweinskopf“ verdächtig kleine und spitze Ohren und noch spitzere Zähne hat. Entsetzt fragt sie nach. „Chó“, antwortet die Bedienung. Hund?!?! Von nun an ernährt sich Heti vegetarisch.


KÜHLSCHRANK-TEMPERATUREN & BERGVÖLKER IN NORDVIETNAM

Immer der chinesischen Grenze entlang fahren oder hoppeln wir durch Schlaglöcher zu den entlegenen Bergdörfern des Nordens. Dort sollen die Menschen noch traditionell leben. Bisher haben uns bei den angenehmen Temperaturen eine kurze Hose und ein T-Shirt ausgereicht. Doch je weiter wir in die Berge hinauffahren, desto kälter wird es. Auch die Straßen werden immer rumpeliger. Wir ziehen alles an Kleidung an, was wir dabei haben. Und das sind immerhin zwei lange Hosen, zwei T-Shirts, eine winddichte Fleecejacke, Handschuhe, Stirnband sowie die Regenkleidung. Trotzdem frieren wir im kalten Fahrtwind. Doch immer wenn es uns zu kalt ist, sind die Temperaturen fürs Insulin ideal. Also kein Nachteil ohne Vorteil. 

Der Wettergott meint es nicht besonders gut mit uns. Die Sichtweite beträgt nur wenige Meter. Die Temperaturen sind nahe dem Gefrierpunkt, als wir den mit 1.900 Meter höchsten Pass Vietnams, den Deo Tram Ton hochkurbeln. Es scheint, alles hat sich gegen uns verschworen. Ich bewundere Heti, wie sie die ganzen Strapazen ohne Murren schluckt. Natürlich weiß ich, dass es in ihrem Kopf anders aussieht. Doch wir reißen uns zusammen und versuchen, uns gegenseitig aufzurichten. Darin haben wir ja Erfahrung!

Die Fahrt zu den Bergvölkern ist wie eine Zeitreise. Das Leben in den Bergen scheint sich seit Jahrhunderten nicht geändert zu haben. Auf dem Sonntagsmarkt treffen sich die farbenfroh und originell gekleideten Volksgruppen, um Handel zu treiben. Wieder Richtung Südosten besuchen wir bei regnerischem und nebeligem Wetter die berühmte Halong Bucht mit ihren tausend Inseln - ohne wirklich viel zu sehen. In Hanoi folgen wir dem Ho Chi Minh Pfad immer Richtung Süden und besuchen den Geburtsort Ho Chi Minhs, die größte Tropfsteinhöhle Südostasiens Phong Nah und werden auf Beerdigungen sowie Hochzeiten zum Essen eingeladen. Die vielen uns unbekannten Speisen sind für eine BE-Einschätzung eine Herausforderung. Da hilft nur häufiges Messen.


ZENTRALVIETNAM

Weitere Stationen sind für uns Da Lot mit seinem schön gelegenen See und Mui Ne, das den einzigen Strand bietet und tolle Dünen hat, die mit denen in der Sahara konkurrieren können. Nach sieben Wochen und etwa 5.000 Kilometern erreichen wir Saigon, wo wir unser Moped für 900 US$ verkaufen. Bezahlt haben 1.300 US$. Die Honda war ein gutes Gefährt, das immer zuverlässig lief.

Zum Abschluss gönnen wir uns eine erholsame Schifffahrt durch das Mekong-Delta und fliegen danach wieder einmal zurück zu unserem Dreh- und Angelpunkt Bangkok. Mein restliches Insulin hatte ich während unserer Vietnam-Zeit sicher in Mister Bigs Kühlschrank auf dem Chinesischen Friedhof deponiert.

Doch auch uns verfolgt ab und zu das Pech: Zuerst bekam die Vorderachse unseres Land Cruisers einen Riss und dann ging auch noch der Kühlschrank kaputt. Es dauerte vier Wochen, bis alles zuverlässig repariert war. Während dieser Zeit kehrten wir zur altbewährten Insulin- Kühlmethode mit einem nassen Waschlappen zurück.

Wir bereisten auch noch Kambodscha und Laos und fuhren über Thailand zurück nach Malaysia, von wo aus wir nach Borneo verschifften. Dort steht auch zurzeit unser Auto. Wenn unser Heimaturlaub nach neun Monaten vorbei ist, kehren wir zurück und nehmen Indonesien und Australien unter die Räder.

Wer weiteres Interesse an unseren Büchern, DVDs und unserer Website hat, kann sich unter http://www.hwbeck.de/ informieren.

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