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"Hilfe - ich stehe unter Druck..."

12. September 2016 | Gesund leben

BLUTHOCHDRUCK UND DIABETES 

„Hilfe - ich stehe unter Druck…“

… und damit nicht alleine da. In Deutschland ist jeder 5. Erwachsene ab dem 40. Lebensjahr von einem erhöhten Blutdruck betroffen. Beispielsweise wird bei 80 % der Diabetespatienten zusätzlich ein Bluthochdruck, medizinisch Hypertonus genannt, diagnostiziert.

DIE BLUTDRUCKMESSUNG

Problematisch dabei ist, dass diese Erkrankung am Anfang keinerlei Schmerzen oder Beschwerden verursacht. Falls Blutdruckmessungen ausbleiben, führt ein nicht entdeckter und dadurch unbehandelter Hypertonus später zu weitreichenden und oft ernsten Komplikationen am Gefäßsystem. 

Die Blutdruckmessung ist die am häufigsten weltweit durchgeführte Untersuchung in Krankenhäusern und Arztpraxen. Ihre Geschichte geht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die heute zur Verfügung stehenden Geräte sind kaum noch mit den ersten Apparaten dieser Art vergleichbar. Erst mit der Erfindung des Kautschuks, als elastischer gummiartiger Werkstoff, ist die Blutdruckmessung heute einfach und schnell durchführbar.
Während man früher als Grenzwert für den Blutdruck das Lebensalter des Patienten plus 100 als „normal“ betrachtete, gilt heute laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ein Blutdruck als erhöht, wenn mehrmals, zu verschiedenen Zeiten Werte über 140/90 mmHg gemessen werden.

GEFÄSSVERÄNDERUNGEN

Beide Erkrankungen, der Bluthochdruck und die Diabeteserkrankung, verändern die Wand der arteriellen Blutgefäße. Während ein gesundes Blutgefäß sich durch seine natürliche Elastizität verändernden Druckverhältnissen anpassen kann, verliert ein durch Diabetes und Hypertonie geschädigtes Gefäß diese Eigenschaft. 

Ein weiterer negativer Faktor für die Gefäßveränderungen ist die sogenannte Arteriosklerose oder auch Gefäßverkalkung. Bei diesem Prozess verengt sich durch Plaqueablagerungen der innere Durchmesser der Arterien. Die Blutmenge, die durch solch ein verengtes Gefäß geleitet werden muss, ist aber nicht geringer. Ein starres, verengtes und unflexibles „Rohr“ mit einem daraus folgendem erhöhtem Innendruck ist die Folge. Vergleichbar ist dies am ehesten mit einem Gartenschlauch, der neu gekauft biegsam und elastisch ist. Im Laufe der Jahre diese Eigenschaften aber verliert und dann dem steigenden Druck ausgesetzt ist.

Betroffen sind in erster Linie die großen Arterien, die vorrangig am Herz zu finden sind, Gefäße die das Gehirn versorgen und die großen Gefäße im Bein. Betroffene kleinere Arterien sind in den Nieren und in den Augen vorhanden. Die heimtückischen Folgen geschädigter Blutgefäße bekommt vor allem das Herz zu spüren. Es muss permanent gegen den sich erhöhenden Gefäßdruck arbeiten. Dadurch kommt es zu einer dauernden Überbeanspruchung, was zu einer schleichenden Schwächung der Herzmuskulatur führt. Bluthochdruck und Diabetes stellen ein bedrohliches Duo dar, das sich leider in höheren Zahlen an Herzinfarkten oder Schlaganfällen widerspiegelt. Beide Geschehen sind in jedem Falle lebensbedrohlich und benötigen sofortige medizinische Versorgung.

UNSER HERZ

Um zu verdeutlichen, welche Arbeit ein Herz im Laufe seines Lebens leisten muss, hier ein paar Zahlen: Unser Herz – ist ein etwa faustgroßes und etwa 300 g „schweres“ Leichtgewicht. Es pumpt 70 ml Blut pro Schlag. Das sind 5 Liter Blut pro Minute, ca. 7000 Liter pro Tag und 2 Millionen Liter im Laufe eines 80-jährigen Lebens … 

Eine immense Herausforderung! Es gibt zurzeit keine Maschine auf der Welt, die es langfristig mit dieser Leistung aufnehmen kann.
Wie jede Maschine sollte auch unser Herz „gewartet“ und regelmäßigen Kontrollen unterzogen werden. Eine dieser Kontrollen ist die von Ihnen zu Hause korrekt durchgeführte Blutdruckmessung. Sie bietet einen besseren Überblick, ob man medikamentös gut eingestellt ist. Werte, die in ärztlichen Praxen gemessen werden, sind aufgrund der Nervosität vieler Patienten beim Arzt, häufig falsch zu hoch (Weißkittelhochdruck). Daher sollten sie nach Möglichkeit nicht allein als Grundlage der Therapie herangezogen werden.

    REGELN ZUR BLUTDRUCKMESSUNG

    Damit eine realistische Interpretation Ihrer Werte möglich ist, gilt es sich an folgende „Spielregeln“ bei der Durchführung der Blutdruckmessung zu halten. 

    1. Gönnen Sie sich vor der Messung 5 Minuten Ruhe.
    2. Messen Sie nicht über der Kleidung.
    3. Die Messung sollte im Sitzen erfolgen. Der Arm wird dabei abgelegt, damit die Messung in Herzhöhe erfolgen kann.
    4. Während der Messung sollte nicht gesprochen werden.
    5. Kontrollieren Sie regelmäßig und zu festen Zeitpunkten, für die Vergleichbarkeit der Werte.
    6. Es sollten keine schnell aufeinander folgenden Messungen an einem Arm durchgeführt werden.
    7. Bei der Verwendung von Oberarmmanschetten, bitte den angegebenen maximalen Armumfang beachten. S-XL-Manschetten sind im Handel erhältlich.
    8. Dokumentieren Sie ihre Messungen für sich und Ihr ärztliches Team.

    DIE RICHTIGE THERAPIE

    Hypertonie stellt in den allermeisten Fällen eine chronische und damit lebenslange Erkrankung dar, sollte aber nicht nur allein mit Medikamenten beeinflusst werden.

    Sie selbst können viel für eine gute Einstellung tun. Eine gesunde Lebensführung mit ausreichend Bewegung, Vermeidung von Übergewicht und Nikotinkonsum, moderater Alkoholgenuss und die Reduktion der Aufnahme von tierischen Fetten sind wichtige und langfristig realisierbare Empfehlungen.

    Trotzdem kann auf begleitende Medikation oft nicht verzichtet werden. Hierfür steht dem Arzt eine Palette unterschiedlichster Wirkstoffe zur Verfügung. Blutdruckmedikamente haben im Körper verschiedene Wirkmechanismen. Es gibt Präparate für die Erweiterung der Gefäße. Andere regeln die Flüssigkeitsausscheidung über die Niere, reduzieren die Stresshormonbildung in der Nebenniere oder wirken direkt im zentralen Nervensystem.

    Reicht ein Medikament allein nicht aus, gibt es die Möglichkeit auf Kombinationspräparate zurückzugreifen oder es kann notwendig sein mehrere Tabletten einzunehmen. Die notwendige Therapie bespricht Ihr behandelnder Arzt mit Ihnen.

    EIN ANLIEGEN ZUM SCHLUSS

    Verändern Sie nie eigenmächtig Ihre Medikamentendosierungen und halten sie sich unbedingt an die Einnahmevorschriften Ihres Arztes. Dies ist eine notwendige Bedingung für eine erfolgreiche Therapie. Machen sie keinen „Urlaub“ von ihrer Tablettenbehandlung.

    In diesem Sinne wünschen wir Ihnen allzeit eine gute Herzgesundheit!

    Ihre Astrid Hofmann und Claudia Donath, Diabetesberaterinnen DDG


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