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Gut zu(m) Fuß

28. November 2016 | Gesund leben

DIE RICHTIGE FUSSPFLEGE BEI DIABETES

Gut zu(m) Fuß 

Die menschlichen Füße müssen im wahrsten Sinn des Wortes viel ertragen. Sie sind der meistbeanspruchteste Teil unseres Körpers. Ein Fuß ist ein hoch kompliziertes Gebilde: Er besteht aus 26 Knochen, 27 Gelenken, 32 Muskeln und Sehnen, 107 Bändern, sowie 1700 Nervenenden. Häufig wird den Füßen viel zu wenig Beachtung geschenkt. Eine kleine Verletzung am Fuß, ein drückender Schuh oder ein wenig Hornhaut ist doch nicht so schlimm, sollte man meinen.

Doch wenn der Diabetes bei Ihnen bereits zu Durchblutungsstörungen oder Nervenschäden geführt hat, kann aus diesen Dingen ein richtig großes Problem für Sie entstehen. Oft wird das diabetische Fußsyndrom nicht sofort bemerkt. Im Gegenteil: Es entwickelt sich schleichend über viele Jahre, ohne das Betroffene Beschwerden haben. Wenn man dann aber etwas bemerkt, ist der günstigste Zeitpunkt, etwas dagegen zu tun, meist schon verpasst.

ZU HOHER BLUTZUCKER SCHLÄGT AUF DIE FÜßE

Beim diabetischen Fußsyndrom werden die Füße nur noch unzureichend durchblutet. Zusätzlich funktionieren die sensiblen Nervenfasern im Fußbereich nicht mehr richtig. Beides entsteht durch einen über Jahre immer wieder zu hohen Blutzucker. Das hat zwei gefährliche Folgen.

Eine Polyneuropathie (Nervenschädigung) bedeutet, dass mehrere Nerven geschädigt sind, und die Reizweiterleitung nicht mehr(oder nur noch eingeschränkt) funktioniert. Oft treten Symptome zuerst an den Füßen beziehungsweise Beinen auf. Beschwerden der Nervenstörungen sind Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Füßen bis hin zu brennenden Schmerzen und einer übersteigerten Schmerzempfindlichkeit. Unsere Nerven signalisieren normalerweise bei Druckstellen, veränderten Temperaturen oder einem drückenden Schuh mit Schmerzen, dass etwas nicht stimmt. Fehlt diese Warnung, so spüren Sie beispielsweise nicht mehr, wenn bei Ihnen aufgrund eines drückenden Schuhs oder eines kleinen Steinchens im Fußbett kleine Druckstellen am Fuß entstanden sind. Auch wenn Sie eine Verletzung oder Blase an den Füßen nicht mehr spüren, kann es sehr schnell zu Entzündungen am Fuß kommen.

Das verminderte Temperaturempfinden aufgrund der Neuropathie kann zur Folge haben, dass Sie Ihre Füße in zu heißem Wasser baden oder sich an einer Wärmflasche oder Heizdecke verbrennen, ohne dass Sie etwas spüren.

Aufgrund der Nervenschädigung kann weniger oder gar kein Fußschweiß mehr gebildet werden. Obwohl der Fußschweiß manchmal unangenehm riecht, ist er für Ihren Fuß wichtig, denn er sorgt dafür, dass die Haut elastisch und die Hautoberfläche gesund bleibt. Fehlt der Fußschweiß, wird die Haut spröde trocken und rissig – ideale Voraussetzungen für Erreger wie Pilze oder Bakterien. Entzündungen können die Folge sein.

Auch Durchblutungsstörungen können ihren Teil zu einem Fußproblem beitragen. Sind die Arterien aufgrund langfristiger hoher Blutzuckerwerte schon verengt, werden die Unterschenkel und Füße schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Da Menschen mit starken Durchblutungsstörungen bereits nach kurzer Gehstrecke Schmerzen und Wadenkrämpfe bekommen, die meist durch Stehenbleiben nachlassen, wird dies auch als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet. Die Anzeichen an den Füßen sind häufig eine blasse oder sogar bläulich verfärbte Haut. Die Hautoberfläche ist pergamentartig. Sie haben oft kalte Füße, beim Betasten fühlen sich die Füße auch richtig kalt an.

Dabei sind Fußprobleme alles andere als eine zwangsläufige Folge des Diabetes. Sie lassen sich durch sehr einfache Maßnahmen vermeiden: Es kommt auf die richtige Vorsorge, richtige Schuhe, richtige Fußpflege und richtiges Verhalten bei beginnenden Fußproblemen an. Ein Blick pro Tag ist die beste Vorbeugung. Nicht alle zwei Wochen, sondern wirklich täglich. Denn während wir unsere Hände automatisch jeden Tag begutachten, führen unsere Füße – zumindest bei den meisten von uns – im wahrsten Sinne des Wortes ein Schattendasein. Ein Paradies für kleine fiese Pilze, die durch eine Miniwunde eingedrungen sind. Kontrollieren Sie täglich Ihre Füße auf Veränderungen wie zum Beispiel Druckstellen, Verbrennungen, Rötungen, Schwellungen, Verletzungen, eingewachsene Zehennägel, Fußpilz, Nagelpilz oder Entzündungen. Schmerzen können wegen der eingeschränkten Nervenleitungen hingegen völlig fehlen, und das ist ja genau das Problem.

Wer seine Fußsohlen nicht sehen kann z. B. wegen verminderter Sehkraft oder unzureichender Beweglichkeit, kann beispielsweise einen Spiegel benutzen oder Angehörige um Hilfe bitten. Bei allen Veränderungen an den Füßen sollten Sie sofort zum Arzt gehen, denn eine professionelle Wundversorgung und Entzündungsbehandlung sind das A und O. 

PFLEGE DES DIABETISCHEN FUßES 

Die Haut des Diabetikers ist meist sehr trocken und spröde. Ursache dafür ist die gestörte Schweißsekretion. Hier hilft nur die konsequente Hautpflege. Waschen Sie Ihre Füße täglich mit einer milden, rückfettenden Seife. Die Wassertemperatur darf maximal 37 Grad betragen. Benutzen Sie ein Thermometer zur Kontrolle, da es bei zu heißem Wasser zu Verbrühungen kommen kann, die evtl. nicht bemerkt werden.

Wenn Sie Ihre Füße baden, sollte das Bad höchstens drei Minuten dauern. Längere Fußbäder weichen die Haut auf, es bildet sich ein guter Nährboden für Keime und Bakterien. Nach dem Waschen sollten Sie die Füße gründlich mit einem weichen Handtuch abtrocknen, besonders zwischen den Zehen, da sich bei feuchten Zehenzwischenräumen leicht Fußpilz bilden kann. Bei Juckreiz zwischen den Zehen sollte ein Diabetiker einen Arzt aufsuchen, da es sich häufig um eine Pilzinfektion handelt, die unbedingt therapiert bzw. behandelt werden muss.
Nach dem (Fuß-) Baden sollten Sie die noch feuchte Hornhaut vorsichtig mit einem Bimsstein oder einer Hornhautfeile abrubbeln. Dies ist notwendig, da Hornhaut leicht rissig wird und so Bakterien oder Keime eindringen können. Hornhauthobel oder -raspel haben am Fuß eines Diabetikers nichts zu suchen. Ebenso dürfen in keinem Fall Hühneraugenpflaster oder Tinkturen verwendet werden, da diese ätzend wirken und die Haut schädigen. 

Trockene Haut 
Durch die Diabetes-Erkrankung hat die Haut eine verminderte Fähigkeit, Wasser zu speichern. Trockene, spröde oder rissige Haut sollten Sie nach dem Waschen mit einer harnstoffhaltigen Fußpflege (als Creme oder Schaum) einreiben. Die Zehenzwischenräume sollten jedoch nicht eingecremt werden!

Zudem sollten Diabetiker unbedingt jeden Tag frische Socken anziehen und auf einen guten Sitz der Socken achten. Die Socken bzw. Strümpfe sollten nicht zu groß sein, da zu große Strümpfe leicht Falten bilden und verrutschen können. Auch auf Nähte sollte geachtet werden, da diese Druckstellen verursachen können. Ein zu fester Gummizug kann die Durchblutung behindern. Bevorzugen Sie atmungsaktive Materialien wie Wolle, Baumwolle oder Seide.
Wenn das Schmerz- oder Hitzeempfinden eingeschränkt ist, sollten Sie besser keine Wärmflasche oder Heizdecke benutzen. Sie könnten sich unter Umständen Ihre Füße verbrennen. Bei Verletzungen an den Füßen sollten Sie sofort zum Arzt gehen.

Fußnägel
Zur Pflege der Füße gehört auch die Pflege der Fußnägel. Verzichten Sie auf scharfe oder spitze Geräte wie Scheren, Nagelknipser oder spitze Nagelfeilen, da die Verletzungsgefahr groß ist. Gut geeignet sind Sandblattfeilen oder abgerundete Diamant- bzw. Glas- oder Keramikfeilen

  • Feilen Sie Ihre Nägel immer in eine Richtung und gerade, nicht rund. Nur unmittelbar in den Ecken leicht abrunden! 
  • Die Nägel nicht zu kurz feilen. Die Nägel sollten mit der Zehenkuppe abschließen, sind die Nägel zu kurz, wachsen sie schnell ein, dies kann zu Nagelbettentzündungen führen.
  • Lassen Sie eingewachsene Fußnägel bzw. Hühneraugen nur vom Fachmann (Podologe/Arzt) entfernen. 

Schuhe
Schuhe sollten Sie immer am Nachmittag kaufen, da die Füße im Laufe des Tages durch das Stehen anschwellen. Einen guten Schuh erkennen Sie an folgenden Merkmalen:

  • Der Schuh sollte ausreichend Platz in Höhe und Breite bieten, an der Ferse Halt geben und Ihre Füße (besonders die Zehen) nicht einengen.
  • Achten Sie beim Schuhkauf auf weiches Obermaterial ohne störende Nähte innen und eine nicht zu dünne, gut gepolsterte Sohle. 
  • Flache Absätze beugen Veränderungen an Ihren Füßen vor und führen zu einer gleichmäßigen Verteilung des Drucks.
  • Prüfen Sie mit der Hand, ob die Innenfläche des Schuhs glatt ist. Sie sollten keine Stellen fühlen, die zu Reibung oder Druck führen können.
  • Auf Schuhe mit vorgefertigten Einlagen oder Fußbettungen, harten Übergängen, Nähten oder Ösen sollten Sie aufgrund der Verletzungsgefahr verzichten.
  • Auch ältere Schuhe sollten regelmäßig auf Unebenheiten, wie z. B. ein gerissenes Innenfutter, aufgeplatzte Nähte oder Fremdkörper untersucht werden. 
Neue Schuhe müssen erst eingelaufen werden, deshalb anfangs nicht länger als 30 Minuten tragen und die tägliche Fußinspektion nicht vergessen. Wenn Sie unter einer Neuropathie leiden, suchen Sie vor dem Anziehen das Innere der Schuhe mit der Hand auf Fremdkörper oder scheuernde Nähte ab. 

Verletzungen am Fuß 
Selbst kleine Wunden an Ihrem Fuß sollten Sie sofort behandeln, damit daraus kein großes Problem entsteht. 

  • Die Wunde mit einem farblosen Desinfektionsmittel behandeln. 
  • Mit einem atmungsaktiven Pflaster oder Verband abdecken. 
  • Die Wunde nicht mehr belasten. 
  • Bei Rötungen, Schwellungen, Eiterbildung oder Fieber sofort einen Arzt aufsuchen. 
Sollte bei Ihnen bereits eine Nervenschädigung oder Durchblutungsstörung vorliegen, zeigen Sie jede Fußveränderung Ihrem Arzt, damit eine fachgerechte sorgfältige Wundversorgung sowie eine Druckentlastung schnellstmöglich stattfindet. Im Rahmen der jährlichen Vorsorge findet der sogenannte Fußstatus statt. Dabei werden die Durchblutung und Nervenwahrnehmung überprüft und der Befund in Ihrem Gesundheits-Pass Diabetes vermerkt.

Nutzen Sie Angebote von podologischen Praxen! Dies sind medizinische Fußpflegepraxen speziell für Menschen mit Diabetes. Auch bei Nagelpilz, Hornhaut, eingewachsenem Zehennagel, Hühneraugen oder Warzen ist es ratsam, dies fachkundig behandeln zu lassen. In einigen Fällen übernimmt die Krankenkasse Teile dieser Behandlung.

Nehmen Sie das Wohlergehen Ihrer Füße aktiv in Ihre Hand. 

Susanne Breselge Diabetesassistentin KVN, Ernährungs- und Diätberaterin,Wundexpertin ICW

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