Warum führt falsche Zahnpflege zur Achterbahn der Zuckerwerte?

Das Risiko einer Schädigung von Zähnen und Zahnfleisch ist bei Diabetikern besonders hoch. Durch die längerfristig erhöhten Blutzuckerwerte ist die Fließeigenschaft des Blutes im Zahnfleisch vermindert, sodass es zu einer Sauer- und Nährstoffunterversorgung kommt. Dies schwächt die Abwehrmechanismen gegen bakterielle Angriffe und Keime können sich schneller vermehren, was zu parodontalen Erkrankungen führt.

Des Weiteren ist die Speichelproduktion bei hohem Blutzuckerspiegel herabgesetzt. Normalerweise sorgt der Speichel auf natürliche Weise durch seine enthaltenen Mineralstoffe dafür, dass sich der Zahnschmelz nach einem Säureangriff (z. B. durch Zucker) wieder härtet. Zu wenig Speichel verursacht eine poröse Zahnschmelzoberfläche, wodurch die Bakterien in den Zahn eindringen und diesen zerstören können (Karies).

Plaque-Bakterien setzen sich oft in Zahnzwischenräumen und am Zahnhals ab. Sie sondern Giftstoffe ab, die ins Zahnfleisch gelangen und dieses schädigen. Der Körper bekämpft das Eindringen dieser Bakterien ins Zahnfleisch und es entsteht eine Entzündung. Doch aufgrund des erhöhten Blutzuckers kann der Körper nicht mit normal verstärkter Durchblutung auf diese Entzündung reagieren, wodurch eine Parodontitis - eine entzündliche Zerstörung des Zahnhalteapparates - entstehen kann. Dies wiederum führt zur Zahnlockerung und schließlich zum Zahnverlust.

 

Welche Auswirkungen hat eine Parodontitis?

Zahngesundheit Diabetes

Die entstandenen Entzündungsmoleküle sorgen ferner dafür, dass die Insulinresistenz (verminderte Aufnahmefähigkeit des Insulins) erhöht ist und erschweren somit die Blutzuckereinstellung des Patienten zusätzlich. Da sich außerdem die Entzündungsprozesse im Mund negativ auf die Blutgefäße auswirken, welche die Organe versorgen, erhöht eine Parodontitis bei Diabetikern das Risiko für Folgeerkrankungen an Herz, Nieren, Augen und Nerven. So haben Menschen mit Diabetes ein dreimal höheres Risiko an Parodontitis zu erkranken als Menschen ohne Diabetes. Eine schwere Parodontitis wiederum erhöht bei Diabetikern die Sterblichkeit aufgrund einer ischämischen Herzkrankheit (Sauer - stoff -Minderversorgung des Herzmuskels) um das 2,3-fache und aufgrund einer diabetischen Nephropathie (Nierenschädigung aufgrund des Diabetes) um das 8,5-fache gegenüber parodontal gesunden Diabetikern. Das Zahnverlustrisiko ist 15-fach erhöht.

 

Therapie

Der allgemeine Zahnverfall lässt sich nur aufhalten bzw. verhindern durch eine gute Blutzuckereinstellung und die richtige Zahnpflege. Daher ist eine optimale Behandlung die Kombination aus der Diabetologie, welche für die optimale Blutzuckereinstellung sorgt, sowie der Zahnmedizin, die rechtzeitig behandelt und auch die individuelle Zahnversorgung des einzelnen Patienten im Bereich der täglichen Mundpflege und Zahnreinigung beratend unterstützt.

Wie sieht die richtige Mundpflege aus?

Diabetiker sollten unbedingt zweimal täglich ihren Zahnbelag mit Zahnbürste und fluoridhaltiger Zahnpasta entfernen – möglichst morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Zubettgehen. Einmal wöchentlich sollte zudem ein spezielles hochdosiertes Fluoridgel (antibakteriell) verwendet werden.

Fluorid lagert sich in die Schmelzschicht ein. So ist der Zahnschmelz weniger anfällig gegen Karies auslösende Säureattacken. Sie können Fluorid auch in Form von flouridhaltigem Salz oder Fluorid-Tabletten zu sich nehmen.

Wichtig ist auch die richtige Zahnputztechnik. Lassen Sie sich dazu in Ihrer Zahnarztpraxis beraten. Achten Sie besonders darauf, überkronte Zähne und unter Brückenkonstruktionen gründlich zu reinigen.
Eine tägliche Reinigung der Zunge durch Zungenreiniger sowie der Zahnzwischenräume mit Hilfe von Zahnseide und Mundduschen sind zu empfehlen. Desinfizierende Mundspüllösungen bekämpfen zudem Bakterien.

Neben der täglichen Mundpflege daheim, sollten Sie mindestens zweimal im Jahr Ihren Zahnarzt zur parodontalen Kontrolluntersuchung mit professioneller Zahnreinigung aufsuchen.

Ist das Zahnfleisch bereits entzündet, gilt es schnell zu reagieren. Bereits bei ersten Anzeichen von Schwellungen und Rötungen am Zahnfleisch und Zahnfleischbluten, ist ein Zahnarztbesuch erforderlich. In diesem Vorstadium einer Parodontitis lässt sich die Erkrankung noch leicht behandeln und heilt meist ohne Schäden aus.

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Ernährung bei Parodontitis

Ebenso notwendig ist eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche (30 g/Tag), kauaktive und vitaminreiche Ernährung mit mindestens drei Gemüse- Portionen á 150 g sowie 1,5-2 Litern Wasser pro Tag. Die Zuckermenge von 25 g am Tag sollte nicht überschritten werden, da Zucker die Übersäuerung fördert und damit den Zahnschmelz angreift. Die Neutralisierung durch den Speichel dauert ungefähr 30 Minuten. Erst danach beginnt die „Reparatur“ des Zahnschmelzes wieder. Dabei zählt nicht nur üblicher Haushaltszucker, auch Fruchtzucker (Fructose) und Traubenzucker (Glucose) werden von Plaque Bakterien verwertet und führen zu Karies. Zuckeraustauschstoffe wie z. B. Sorbit, Xylit, Mannit, Maltit, Isomalt sind zahnschonend und können eine gute Alternative sein.

Bitte bedenken Sie, dass auch säurehaltige Lebensmittel (z. B. Obstund Gemüsesäfte) sowie milchsäurehaltige Nahrungsmittel mit der Bezeichnung E270 und in großen Mengen Joghurt und Buttermilch den Zahnschmelz direkt angreifen.

Ebenfalls einen negativen Einfluss auf die Zahngesundheit haben Fertig- und Fastfood-Produkte, da diese den Wundheilungsprozess durch eine Übersäuerung verschlechtern.

Eine positive Wirkung hat Vitamin C. Es spielt im Binde- bzw. Knochengewebe eine besondere Rolle, da es zur Gewebserneuerung beiträgt und zudem gegen Entzündungen wirkt. Es ist z. B. in Acerolasaft, Johannisbeeren, Kiwi, Papaya, roher Paprika und Fenchel, gegartem Brokkoli und Rosenkohl sowie in Petersilie, Brennnessel, Knoblauchrauke, Dill, Kresse und Schnittlauch enthalten. Auch Folsäure (Folat) ist wichtig, da sie die Zellneubildung unterstützt. In natürlicher Form ist sie in Gemüse wie Tomaten, Spinat und Salaten, in Fisch, ungesüßten Tees, Nüssen sowie Milch- und Vollkornprodukten enthalten. Achten Sie auch auf eine ausreichende Calcium-, Vitamin Dund Magnesiumversorgung.

Da ein Vitamin-D-Mangel zur Entstehung fast jeder Krankheit beiträgt und sie verstärkt, kann ein gut eingestellter Vitamin-D-Spiegel auch fast jede Krankheit verbessern. Einen Mineralstoff- oder Vitaminmangel kann man über eine Blutentnahme beim Arzt herausfinden. Gemessen wird nicht das tatsächliche Vitamin D3, sondern die Speicherform des Vitamin D (25-Hydroxy- Vitamin-D oder 25(OH)D), welche Aufschluss über die langfristige Vitamin-D-Versorgung gibt. Ein festgestellter Mangel kann zum Beispiel durch Nahrungsergänzungsmittel wie Sango Meereskoralle oder Dekristol 20.000 IE/Woche ausgeglichen werden.

Eine persönliche Beratung ist bei den entsprechenden Ernährungs- und Diabetesberatern oder in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis möglich.

Ihre Lysann Stodtmeister, Diätassistentin, Ernährungs- und Diabetesberaterin DDG

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