Sport als Einsteiger/in - was muss ich mit Diabetes beachten

Sportgruppe beim YogaNach Meinung von Expertinnen und Experten, werden für eine gesunde Fitness immer noch 2 – 3 Mal in der Woche 30 Minuten Bewegung empfohlen. Dazu muss ich mein individuelles Befinden, meine körperlichen Fähigkeiten und vor allem meinen aktuellen Gesundheitszustand realistisch einschätzen können. Am einfachsten wäre es, sich hier ärztlichen Rat zu holen. Bei körperlichen Einschränkungen oder bestehenden chronischen Erkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte, koronare Herzerkrankungen) sollte die Intensität des Sports immer vorher medizinisch abgeklärt werden. Schließlich soll Bewegung Spaß machen und gut tun und nicht zur Belastung oder gar gefährlich für mich werden.

Ziele Formulieren

Mittels des Sports kann ich auch die jährlichen Vorsätze gut verbinden, denn Sport baut Stress ab und Freunde oder Familie beteiligen sich ja sicher auch gerne daran. Vergessen Sie nicht, für sich selbst konkrete Ziele zu formulieren, wie z. B. 2 kg Gewicht abnehmen, bessere Blutzuckerwerte, im nächsten Quartal einen besseren HbA1c, den Cholesterinspiegel zu senken, niedrigere Blutdruckwerte. Kleine Schritte eben.

Warum Sport bei Diabetes gut tut

Dazu einmal kurz betrachtet, warum ist denn Sport so gut? Dass Bewegung den Blutzuckerspiegel senkt, mein Körper perspektivisch weniger Insulin benötigt, weil die Muskelzellen empfindlicher für das eigene Insulin werden, ist kein Geheimnis und der Fettstoffwechsel wird auch angekurbelt. Darüber hinaus wird die Durchblutung angeregt, die Zellen werden besser mit Sauerstoff versorgt und die Freude an der Bewegung steigert das körperliche und seelische Wohlbefinden. Ggf. können sogar Medikamente „eingespart“ werden. So können diabetische Folgeerkrankungen, wie dem diabetischen Fußsyndrom, der koronaren Herzkrankheit und eventuell einer Depression vorgebeugt werden.

Diabetes? - Vorher ärztlichen Rat einholen  

Menschen mit Diabetes sollten jedoch wie oben erwähnt unbedingt im Vorfeld mit ihrem Hausarzt oder Diabetologen über ihr Vorhaben sprechen, denn es gibt einiges zu beachten. Nicht nur welches die geeignete Sportart ist, bei diabetischen Fußerkrankungen sollte es jetzt nicht gerade langes Wandern oder der Laufsport sein, sondern auch wie sehr ich mein Herz belasten kann, ist von medizinischer Wichtigkeit. Beim Vorliegen einer diabetischen Augenerkrankung (Diabetische Retinopathie) sollte der Kraftsport eher gemieden werden.

Seniorin beim Home-Training

Blutzuckerwerte beachten

Bei der Frage, mit welchem Blutzuckerwert ich z. B. nicht starten sollte oder nach sinnvollen Zeitpunkten der Blutzuckermessungen und deren Dokumentation, hilft Ihnen Ihr Hausarzt oder Diabetesteam gern weiter. Zur Diabetesberatung gehören auch, Ihnen gute Kenntnisse zur Insulindosisanpassung und dem Vermeiden bzw. sicheren Behandeln von Unterzuckerungen (Hypoglykämie) zu vermitteln. Einschließlich einer guten Schätzung eventuell zusätzlich benötigter Broteinheiten und was ich in mein „Notfalltäschchen“ packen sollte.

Bei intensivierter Insulintherapie

Wer eine ICT (intensivierte Insulintherapie) durchführt, sollte sich im Vorfeld sehr gut über die Wirkdauer seiner Insuline, über Insulindosisanpassung und über die Höhe eines guten Ausgangsblutzuckerwertes (individuell je nach Dauer und Intensität, meist um die 8 – 9 mmol/l [144 – 162 mg/dl]) informieren. Eine spontane Sportstunde ist oft mit einer zusätzlichen Kohlenhydrat-Aufnahme verbunden, außerdem muss noch Stunden später der Muskel-Auffülleffekt bei der Insulingabe berücksichtigt werden, d. h. eventuell Spät-/Abendinsulin reduzieren.

Kohlenhydrate im Auge behalten

Des Weiteren muss mit dem Diabetesteam geklärt werden, was passiert, wenn der Blutzucker nach dem Sport hoch ist. Habe ich zu viele Kohlenhydrate vor dem Sport zu mir genommen? War der Ausgangszucker zu hoch oder zu niedrig, hatte ich während des Sportes unbemerkt eine Unterzuckerung? Welche Form schneller Kohlenhydrate ist für mich sinnvoll? Eher flüssig oder lieber ein Riegel? Mit vollem Bauch kann man sich schlecht bewegen, gesunde Rezepte mit Nährwertangeben finden Sie zum Beispiel in unserem Rezeptbuch.

Neue Glukose Messsysteme unterstützen  

Glukosemessung mit Glukosemess-System

Neue Glukose Messsysteme (iscCGM/FGM/ rtCGM-Systeme) bieten heute dem motivierten Sport Neu- oder Wiedereinsteiger enorme Vorteile und Sicherheit. Durch die riesige Menge an vorhandenen Daten sollte man darauf achten, sinnvolle Konsequenzen zu ziehen. Die Eingabe von Zusatzinformationen wie Insulindosen, Kohlenhydratmengen und vorgenommene Korrekturen sind für eine sinnvolle Auswertung zwingend erforderlich. Denn die neuen Techniken zur Blutzuckerkontrolle bietet nicht nur den einfachen (unblutigen) Blick auf aktuelle Blutzuckerwerte, sondern auch Informationen darüber, wohin er geht und ob ich mich eventuell einer Unterzuckerung nähere.

Nach dem Sport ist vor dem Sport

Junge Frau beim Online Fitness

Die kontinuierliche Aufzeichnung der Blutzuckerverläufe ermöglicht es der Anwenderin/dem Anwender vor allem im Nachhinein, für das nächste Mal vorbereitet zu sein und die richtigen Therapieentscheidungen zu treffen. Werden Glukose Messsysteme in Kombination mit Insulinpumpen verwendet, besteht der Vorteil der automatischen Übermittlung der Glukosedaten an die Insulinpumpe.

Einige sind heute schon in der Lage, daraufhin ihre Insulinzufuhr zu pausieren bzw. später selbständig wieder aufzunehmen. Auch eine temporäre Absenkung der stündlichen Basalrate um rund 50%, bei längerer Aktivität über 2 Stunden um 70%, ist empfehlenswert. Möglichst eine halbe Stunde vor dem Sport bei Verwendung von Insulinanaloga (1h bei Normalinsulin), während der sportlichen Aktivität und mindestens 2 Stunden danach (bei abendlicher Laufrunde sogar noch die Nacht hindurch) ist gewinnbringend, um einer Unterzuckerung vorzubeugen. Ausschlaggebend ist hierbei die Dauer der Belastung. Liegt der Blutzucker über 13 mmol/l [230 mg/dl] sollte mit dem Sport nicht begonnen und auf Ketone getestet werden.

Wie ist das Wetter?

Mann bei JoggenWer dem Aufenthalt an der frischen Luft dem Sporthallenmief den Vorzug gibt, muss dem Wetter trotzen. Das heißt auch hier sind Blutzuckerkontrollen mittels einem CGM/FGM-System einfach und sicher durch dicke (4 cm) oder nasse Kleidung ganz einfach möglich. Andere beeinflussende Faktoren wie Luftdruck, Wasser oder Temperaturschwankungen sprechen für eine kontinuierliche Glukosemessung, denn die Sensoren bleiben weitestgehend unberührt - im Gegensatz zu herkömmlichen Blutzuckerteststreifen oder Blutzuckermessgeräten.

Sicherer Halt von Glukose-Sensoren

Wer eine sensible Haut hat oder Probleme mit Allergien, bzw. Angst, wegen zu heftiger Bewegungen oder großer Schweißbildung den Glukose-Sensor zu verlieren, sollte sich unbedingt vorher über alternative Pflaster- oder Klebemöglichkeiten und zusätzliche Sicherungen informieren.

Einstig in den Sport als Diabetikerin oder Diabetiker

Frau beim Joggen

So sehr der Sport hilft, gegen überflüssige Pfunde anzukämpfen, das Herz-Kreislaufsystem zu trainieren und hohen Blutzucker- oder Blutdruckwerten entgegen zu treten, der Spaß sollte immer noch an erster Stelle stehen. Und damit Sie nicht gleich nach den ersten Wochen Ihre Vorsätze über Bord werfen, trauen Sie sich, Rat und Hilfe zu suchen. Dann kann sich der „innere Schweinehund“ warm anziehen. Hilfestellungen und den richtigen Einstieg bieten Ihnen dabei diverse Arbeitsgemeinschaften: „Diabetes und Sport der DDG“ oder die „Übersicht für Rehasportgruppen des Deutschen Behindertensportverband“.

Autorin

Autorin Astrid HofmannAstrid Hofmann ist Diabetesberaterinnen DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft): Sie bringt umfangreiche Erfahrung rund um das Thema Diabetes mit und hat dabei große Freude dieses Wissen in Form von leicht verständlichen Texten und aktuellen Beiträgen für den Leser aufzubereiten. Darüber hinaus berät und schult sie mit viel Engagement Menschen aller Typen des Diabetes, dazu zählen insbesondere auch Kinder und Schwangere.


Diabetes & Sport: Bewegung ist die beste Medizin

Diabetes & Sport: Bewegung ist die beste MedizinEs gibt viele gute Gründe für mehr regelmäßige Bewegung für alle Menschen egal ob Stoffwechselgesund, Menschen mit Typ-1 oder Menschen mit Typ-2 Diabetes. Hier erfahren Sie, wie Sie sich motivieren und welche Sportarten geeignet sind.

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Diabetes: Sport und Bewegung im AlltagEin kleines Fitness-Quiz und wie Sie Bewegung am besten in Ihren Alltag integrieren (inkl. Kalorienverbrauch-Tabelle) erfahren Sie in unserem Blog-Beitrag "Sport und Bewegung für Menschen mit Diabetes" 

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