Haferkur bei Diabetes

Der hohe Ballaststoffanteil von Hafer mit dem darin enthaltenen Beta-Glucan reguliert den Blutzucker- und Insulinspiegel, sorgt für eine gute Sättigung, kann erhöhtes Cholesterin senken und Leberfett abbauen. Es wirkt entzündungshemmend und hat einen positiven Einfluss auf Magen und Darm.

Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Eisen, Calcium, Phosphor und auch die Vitamine B1/B2/B5/B6, welche für den Energiestoffwechsel, die Produktion des Glückshormons Serotonin und „starke Nerven“ benötigt werden, sind im Hafer enthalten.

Für die Muskeln und ein widerstandsfähiges Immunsystem steckt im Hafer das Vitamin E, sowie die Spurenelemente Selen und Zink, aber auch essentielle Aminosäuren und wertvolles Öl finden wir im Hafer.

Haferflocken in PapiertüteHaferflocken in Papiertüte

Hafer enthält psychotrope Substanzen (Weckamin), die eine Wirksamkeit auf das zentrale Nervensystem ausüben. Das Weckamin (kreislaufanregend) im Hafer kann sich positiv auf unsere Stimmung und Aktivität auswirken und unsere Müdigkeit und Antriebslosigkeit vertreiben

Ursachen für Diabetes mellitus Typ-2

Fehlernährung und körperliche Inaktivität sind in den meisten Fällen die Hauptursache für die Entstehung einer Insulinresistenz, einer möglichen Vorstufe des Diabetes mellitus Typ-2. Als Insulinresistenz bezeichnet man, wenn das körpereigene Insulin oder Insulin welches in Form von Injektionen verabreicht wird, den Blutzucker nicht ausreichend senken kann. Eine andauernde kohlenhydratreiche Ernährung und der stetige Überkonsum von raffiniertem Zucker mit dem Resultat von Übergewicht und Fettleibigkeit könnten die Ursache dafür sein.

Hafertage nach Dr. Carl von Noorden

Dr. Carl von Noorden (1858–1944), ein deutscher Internist , entwickelte auf dem Gebiet der Diätetik eine geeignete Therapiemöglichkeit in Form von Hafertagen / Haferkuren, welche Anwendung fand bei Menschen mit Diabetes, Insulinresistenz, Glukoseintolleranz, Übergewicht, Herz- Kreislauferkrankungen u.v.a..

Vor 120 Jahren – 1902 wurde der erste Hafertag durchgeführt. Die Empfehlung war damals: 250g Hafermehl oder die gleiche Menge eines aus reinem Hafermehl zubereiteten schwedisch-norwegischen Haferbrotes auf 5 Mahlzeiten am Tag zu verteilen. Die Diät konnte ergänzt werden durch Zulage von Kopf- oder Endiviensalat, Tomaten oder Gurken… eine salzarme Zubereitung wurde empfohlen, Essig/ Zitronensaft und Öl waren gestattet ...*

* Quelle: „Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung“ von Carl von Noorden 1917

Wiederentdeckung der Haferkur bei Diabetes

Diese besondere Art der Ernährung ist mit der Einführung des Insulins (1921) und weiterer Diabetesmedikamente in den folgenden Jahren in Vergessenheit geraten. Erst seit jüngster Zeit, etwa seit der Jahrtausendwende hat man sich der positiven Effekte erinnert und setzt die Hafertage wieder mit Erfolg ein. Man erkannte, dass die medikamentöse Therapie die Ursachen der Erkrankung nicht beseitigen kann, aber wohl eine ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung und adäquate Bewegung.

In unserer Klinik gehören die Hafertage mit einem Bewegungsangebot wie Nordic Walking, Aquafitness, Ergometer, Laufband oder Sitzgymnastik zum festen Bestandteil der Diabetestherapie. In den meisten Fällen mit Erfolg und das in kurzer Zeit!

Hafertage Erfahrungen in unserer Klinik

Das Körpergewicht konnte im Durchschnitt um 3–5kg reduziert werden, die Insulineinheiten wurden teilweise bis zu 75% gesenkt, Diabetesmedikamente wurden reduziert und der Nüchternblutzucker normalisierte sich. Blutfette und Entzündungsparameter waren nach der Durchführung der Hafertage wieder im Normbereich.

Haferkur Empfehlung daheim

Haferflockenbrei bzw. Porridge mit HeidelbeerenHaferflockenbrei bzw. Porridge mit Heidelbeeren

Mit der Entlassung ins häusliche Milieu erhalten die Betroffenen eine individuelle schriftliche Empfehlung zur bedarfsgerechten Ernährung und einer Anleitung zur Durchführung der Hafertage. Der positive Effekt der Hafertage kann bis zu 4 Wochen anhalten. 

Unsere Empfehlung lautet, bei Bedarf nach dieser Zeit, die Hafertage zu wiederholen entweder 1x wöchentlich (3 Mahlzeiten mit je 75g Hafer) oder 1x monatlich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen (jeweils 3 Mahlzeiten mit je 75g Hafer), immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt.

Mein Fazit als Diabetesberaterin DDG in der Klinik und einer diabetologischen Schwerpunktpraxis ist, dass Menschen welche Risikofaktoren für Bluthochdruck, Insulinresistenz, Übergewicht, Diabetes, Gicht, Herz- Kreislauferkrankungen haben, vom Einsatz des Hafers profitieren können.

Hafer in die täglich Ernährung integrieren

Haferflocken, Oat Meal, HaferflockenmehlHaferflocken, Oat Meal, Haferflockenmehl

Ob kernige oder zarte Haferflocken, Haferkleie oder der Einsatz von Hafermehl, Porridge, Müsli, Haferbrei oder als Overnights Oat's (über Nacht, gekühlte eingeweichte Haferfl ocken) u.a.m. ist nicht entscheidend – Hafer in die tägliche Ernährung zu planen, kann ein richtiger Schritt in die richtige Richtung sein, um eine bewusste Ernährungsumstellung einzuleiten. Diabetische Folgeerkrankungen, Prädiabetes, Organ- und Gefäßschäden könnten vermieden oder hinausgezögert werden und die Lebensqualität und Lebenserwartung können sich deutlich verbessern.

Ich wünsche allen Lesern die Kraft und Stärke des Hafers. Bleiben Sie gesund.

Autorin

Barbara Weise, Diabetesberaterin / DDG: Kliniken Erlabrunn gGmbH, Am Märzenberg 1 A, 08359 Breitenbrunn

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