Aus dem Leben von Finnja

Black Mamba mit Looping

Die zehn-jährige Finnja aus Lennestadt kreischt laut. Gerade eben sitzt sie auf der neuen Achterbahn Taron im Vergnügungspark Phantasialand. Mit einem Affenzahn brettert die Bahn über die Schienen und Finnja lacht. „Nochmal Mama, lass uns nochmal fahren“, jubelt sie nach der ersten Runde.

Finnja aktives Mädchen mit Typ-1 Diabetes

Finnja ist glücklich, Finnja ist fröhlich. Auf den ersten Blick könnte man als Außenstehender meinen, sie sei ein Mädchen wie jedes andere auch in ihrem Alter. Doch Finnja leidet an der derzeit noch unheilbaren Autoimmunerkrankung Diabetes Typ-1. Im Alter von 5 Jahren wird die Familie von der Diagnose überrascht, die das Leben erst mal auf den Kopf stellt. Doch schnell ist klar, der Diabetes wird das noch junge Leben der fröhlichen Finnja nicht bestimmen.

Zu Therapiebeginn bekommt Finnjas Mutter Nadine die Einweisung zu jeder Mahlzeit Insulin mit einem Pen zu injizieren. Außerdem wird ein Mal täglich ein Basalinsulin gespritzt. Finnja muss ihren Blutzucker bis zu 12 Mal am Tag mittels Fingerpicks ermitteln. Drei Monate nach der Diagnose erhält die Zehnjährige ihre 1. Insulinpumpe, die den Umgang mit dem Diabetes deutlich verbessert.

Sie besucht eine Regelgrundschule, verabredet sich mit Freundinnen und geht reiten. Ihre Mama notiert auf bunten Zettelchen die KE-Menge, die Finnja in ihrer Pausenbox findet und die in ihrer Insulinpumpe eingegeben werden muss, damit der Körper das nötige Insulin verabreicht bekommt.

Ihre Klassenlehrer werfen einen Blick darauf, unterstützen sie und erkundigen sich nach ihren Blutzuckerwerten und ihrem Wohlbefinden. Im Lehrerpult liegt auch heute noch - mittlerweile besucht Finnja das Städtische Gymnasium in Olpe - ein Päckchen Traubenzucker für sie bereit. Alle Pädagogen wissen, was im Falle einer Unterzuckerung zu tun ist. Finnja ist selbstständig. Sie ist Weltmeister im KE (Kohlenhydrateinheiten) schätzen und kennt ihren Körper bestens. Sie weiß, ob sie vorm Sport noch einen kleinen Snack benötigt oder der Wert stabil bleibt.

Dank neuester Technik ist Finnja neben der Insulinpumpe auch mit einem CGM-System ausgestattet. Dieses System warnt bei Über- und Unterzuckerungen und hilft ihr sehr im Alltag und ihrem Umgang mit Diabetes. Finnja liebt ihr Leben, auch mit Diabetes ist es schön. „Ich kann eigentlich alles machen, wie die anderen Kinder auch. Ich gehe reiten und schwimme gerne“, berichtet sie. Durch den offenen Umgang mit der Krankheit hat es für Finnja zu keiner Zeit Ausgrenzungen gegeben. Sie besucht Kindergeburtstage und Kletterwälder, genießt den Alltag und so zu sein, wie die anderen Mädchen in ihrem Alter. 

Jedoch muss sie ihre Blutzucker- Werte im Auge behalten und reagieren. Auch für die Mahlzeiten, die sie zu sich nimmt, muss die richtige KE-Menge ermittelt werden, um das Insulin via Pumpe ihrem Körper zuzuführen. Aber auf diesem Gebiet ist die junge Dame bereits Profi. So gibt es bei viel Bewegung, wie etwa im Vergnügungspark, auch mal eine KE gratis, bevor es weiter auf die nächste spannende Achterbahn geht. „Diesmal nehmen wir die Black Mamba mit Looping,“ freut sich Finnja, die soeben eine Kugel Eis gegessen hat, bevor sie sich ins nächste Abenteuer stürzt.

Finnja wünscht sich, dass auch andere Kinder so positiv mit dem Diabetes umgehen wie sie: „Klar gibt es auch doofe Tage, wenn der Blutzuckerwert mal über die Stränge geschlagen ist und auf dem Messgerät eine 350 (mg/dl) steht. Da ärgere ich mich über einen Teller Gurke, wo andere Kinder ein leckeres Mittagessen bekommen und ich erst warten muss, bis mein Wert wieder im Normbereich ist. Aber dies ist schnell vergessen und dann bin ich wieder stolz darauf, etwas Besonderes zu sein mit meiner Pumpe und dem Sensor am Arm.“

Finnja aktives Mädchen mit Typ-1 Diabetes auf dem Pferd

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