Folgeerkrankung des Diabetes: Diabetische Retinopathie

Schau mir in die Augen... Diabetes  Folgeerkrankungen nicht auf die leichte Schulter nehmen

Durch unzählige Artikel, Fernsehberichte und Arzt-Patientengespräche hat sicherlich inzwischen jeder Diabetiker erfahren, dass Diabetes mellitus, unabhängig davon, welche Erscheinungsform vorliegt, eine potenziell gefährliche und oft komplikationsreiche Erkrankung ist. Dabei ist Typ-2-Diabetes die am häufigsten auftretende Form dieser Erkrankung. Oftmals hat der Betroffene am Anfang keine Beschwerden. Die Diagnose dadurch aber auf die leichte Schulter zu nehmen wäre fatal. Leider geschieht dies immer noch viel zu oft. Es ist einfach und bequem zu sagen „Ach, das bisschen Zucker, das hat doch heute fast jeder“. Bagatellisierung kann sich nach Jahren mit schlechten Blutzuckerwerten und mangelnder Selbstverantwortung negativ auswirken. Die diabetischen Folgeerkrankungen sind die eigentliche Problematik bei der langfristigen Behandlung des Diabetes.

Die zwei Hauptgruppen Diabetischer Folgeerkrankungen

Diabetische Folgeerkrankungen kann man in zwei Hauptgruppen einteilen. An erster Stelle stehen die Veränderungen der großen und kleinen arteriellen Blutgefäße. Organe wie das Herz, das Gehirn, die Nieren und Augen können davon betroffen sein. Die zweite Gruppe sind die Schäden der Nerven, vor allem der sensiblen Nerven in den Füßen. Dies macht sich als vermindertes Empfinden gegenüber Berührungen und Verletzungen bemerkbar.

Formen von Augenerkranken im Zusammenhang mit Diabetes

Diabetische Retinopathie (DRP), so nennt sich die Erkrankung, die als Folge des Diabetes die Augen schädigt. Daneben gibt es noch eine Vielzahl anderer Diagnosen wie den grauen Star (Katarakt), das Glaukom (Augeninnendruckerhöhung) und die Makuladegeneration (Erkrankung der Netzhaut), oft eine alterungsbedingte Veränderung. Diese Auffälligkeiten können leider auch zusätzlich zur diabetischen Retinopathie auftreten, hängen aber nicht ursächlich mit Diabetes zusammen.

Das Sehvermögen ändert sich plötzlich, was tun?

Eine plötzliche Verschlechterung des Sehens ist häufig bei extrem hohen Blutzuckerwerten zu beobachten, was gelegentlich bei einem neu aufgetretenen Diabetes passiert. Diese Veränderung bildet sich allerdings rasch bei einer Verbesserung der Werte zurück. Sich jetzt eine neue Brille anfertigen zu lassen, wäre unnütz ausgegebenes Geld.

Die Funktion des Auges

Aufbau des Auges

Als sehr empfindliches Sinnesorgan ermöglicht uns das Auge, unsere Umwelt „sehend“ wahrzunehmen. Durch die Iris und die darunterliegende Pupille, welche wie die Blende eines Fotoapparates mal enger mal weiter geöffnet ist, tritt das Licht in das Auge ein. Mit Hilfe der Augenlinse wird das zu sehende Bild auf der Netzhaut des Augenhintergrundes „abgebildet“. Auf der Netzhaut befinden sich Nervenzellen. Der Lichteinfall wird durch diese Zellen in Nervenreize umgewandelt und über den Sehnerv in das Sehzentrum des Gehirns weitergeleitet. Erst dort erfolgt die „Darstellung“ des gesehenen Bildes, welches wir wahrnehmen. 

Was ist Diabetische Retinopathie?

Die Netzhaut (Retina) wird durch viele kleine Gefäße mit Blut versorgt. Und eben diese Blutgefäße können durch einen schlecht eingestellten und lange bestehenden Diabetes geschädigt werden. Diese Erkrankung nennt man diabetische Retinopathie. Sie wird in zwei Stadien eingeteilt, die nichtproliferative und die proliferative diabetische Retinopathie.

Die zwei Stadien der diabetischen Retinopathie

Phase 1: nichtproliferativen Retinopathie und deren Folgen

Bei der nichtproliferativen Retinopathie (erstes Stadium) platzen die kleinen Blutgefäße der Netzhaut und es kommt zum Einbluten in die Retina. Im Anfangsstadium läuft dies vom Patienten völlig unbemerkt ab. Es stellen sich keine Auffälligkeiten, wie unscharfes oder verschwommenes Sehen ein.

Phase 2: proliferativen Retinopathie und deren Folgen

Bedingt durch den Diabetes kann es bei fortgeschrittener Erkrankung zur Bildung neuer kleiner Blutgefäße im Bereich der Netzhaut kommen, der sogenannten proliferativen diabetischen Retinopathie (zweites Stadium). Diese sich neu bildenden Gefäße sind sehr schwach entwickelt und porös. Die Gefahr einer Einblutung bis in den Glaskörper des Auges ist hier sehr viel wahrscheinlicher. Im weiteren Verlauf kommt es zur Narbenbildung auf der Netzhaut bis hin zum Ablösen der Retina vom Augenhintergrund, was zur Erblindung führt.

Weitere Folgen der diabetischen Retinopathie

Auf der Netzhaut gibt es eine zentrale Stelle, die als Stelle des schärfsten Sehens oder als gelber Fleck (Makula) bezeichnet wird. Dort sind die Nervenzellen besonders konzentriert. Er ermöglicht das Farbensehen und Feinheiten zu erkennen. Kommt es an dieser Stelle zu Einblutungen oder Flüssigkeitsansammlungen (Makulaödem) haben sie entsprechend die größten Auswirkungen auf die Sehleistung.

Bedeutung der diabetischen Retinopathie als Folgeerkrankung

Auge Nahaufnahme

Die diabetische Retinopathie ist die häufigste Folgeerkrankung des Diabetes mellitus und betrifft im Laufe ihres Lebens nahezu alle Menschen mit Diabetes. Typ-2-Diabetiker erkranken nach ca. 20 Jahren, Menschen mit Typ-1 Diabetes oft bereits nach 10 bis 13 Jahren. Das ist warscheinlich auf die stärkere und schnellere Schwankung der Blutzuckerwerte beim Typ-1 zurückzuführen. Auch hormonelle Schwankungen, wie sie in der Pubertät und in der Schwangerschaft vorkommen, erhöhen das Risiko.

Wie kann ich Vorbeugen?

Die Qualität der Blutzuckereinstellung ist aber der entscheidende Faktor, um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und das Sehvermögen langfristig zu erhalten. Eine wirkliche Heilung ist trotz intensiver medizinischer Forschung bis heute nicht möglich.

Behandlungsmöglichkeiten von Diabetischer Retinopathie

Die zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden können das Fortschreiten der Erkrankung bisher nur verlangsamen, im besten Falle aufhalten. Und auch nur dann, wenn der Diabetes als Grunderkrankung konsequent behandelt wird und die jeweiligen Therapieziele erreicht werden.

Zusätzliche Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Erhöhung der Blutfettwerte, Rauchen und Nierenerkrankungen erschweren die schon bestehende Problematik zusätzlich und zeigen wie wichtig eine regelmäßige Kontrolle ist. Im Rahmen der Disease-Management-Programme (DMP) ist u. a. festgelegt, dass jeder Diabetiker routinemäßig einmal im Jahr eine Untersuchung beim Augenarzt durchführen lassen sollte.

Wie oft sollte ich als Diabetiker meine Augen untersuchen lassen?

Das erste Mal sollte diese Untersuchung mit der Diagnosestellung erfolgen, um den „Ist-Stand“ zu dokumentieren. Da Diabetes-Typ-2 in den allermeisten Fällen eine schleichende Erkrankung ist, und zum Zeitpunkt der Diagnosestellung im Schnitt schon 5 - 7 Jahre besteht, ist es nicht selten, dass Veränderungen am Augenhintergrund schon bei der ersten Augenarztkonsulation bestehen.

Wie läuft die Untersuchung der Augen ab?

Die Untersuchung beim Augenarzt ist völlig schmerzlos. Es werden Augentropfen verabreicht, welche die Pupille erweitern und es so dem Arzt ermöglichen, den Augenhintergrund zu betrachten. Verschwommenes und unscharfes Sehen für ca. zwei Stunden nach Verabreichung der Tropfen ist völlig normal. Um Netzhautveränderungen noch exakter beurteilen zu können, können die Blutgefäße mittels fluoreszierender Stoffe (Fluoreszenzangiographie) noch besser sichtbar gemacht werden.

Der Augenarzt entscheidet über das weitere Vorgehen. Ist die Untersuchung ohne Befund, dann reicht eine erneute Wiedervorstellung nach einem Jahr. Sind Veränderungen vorhanden, können Kontrolluntersuchungen auch in kürzeren Abständen notwendig sein, um den passenden Beginn einer weiteren Therapie festzulegen.

Therapie-Maßnahmen und - Möglichkeiten

Zur Behandlung gibt es verschiedene Ansätze. Neben der Optimierung der Blutdruckeinstellung und der pathologischen Blutwerte, dem Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum ist die Netzhaut-Lasertherapie die häufigste Behandlung.

Die Netzhaut-Lasertherapie

Die Notwendigkeit für diese Therapie besteht dann, wenn sich neue Blutgefäße auf der Netzhaut bilden und es zu Einblutungen kommt (proliferative diabetische Retinopathie). Es stehen zwei verschiedene Verfahren zur Verfügung: Eine Laserbehandlung von 1.000 – 2.000 Stellen der Netzhaut mit Aussparung der Makula. Dadurch kommt es zu Vernarbungen der Areale mit Erhalt der Sehfähigkeit, da die Nervenzellen nicht berührt werden. Durch die Vernarbung wird eine Verbesserung der Versorgung der Makula - der Stelle des schärfsten Sehens - erreicht.

Die fokale Laserkoagulation

Ist es zu einem Makulaödem gekommen, wird eine fokale Laserkoagulation durchgeführt. Dabei werden für das Ödem verantwortliche undichte neue Gefäße gezielt vernarbt.

Empfohlene Vorstellungstermine Augenarzt

Zustand/Bewerschwerden Untersuchungstermin Augenarzt
Erstdiagnose Diabetes Ist-Stand Ermittlung
Diagnostizierter Diabetes ohne bekannte Retino-/Makulopathie 1x jährlich (Dokumentation im Gesundheitspass Diabetes)

Neu auftretende Symptome wie z.B.:

Plötzlicher Sehverlust

Leseschwierigkeiten

Farbsinnstörung

Sehverschlechterung

"Rußregen" vor den Augen

sofort
Diagnose Retino-/Makulopathie Nach Festlegung des Augenarztes

Weitere Therapienoptionen bei Diabetischer Retinopathie

Relativ neue Therapieoptionen bei einem Makulaödem sind die Injektionen von Medikamenten direkt in den Glaskörper des Auges. Eine Augenoperation mit Entfernung des Glaskörpers und Ausschälung der Blutungen ist dann notwendig, wenn es zu weiteren und andauernden Blutungen kommt. Das Auge behält dank des ständig produzierten Augenwassers seine Form. Der Glaskörper wird anschließend durch Silikonöle oder Gas ersetzt. Dies dient sozusagen als Füllstoff, damit Netzhaut und Augenwand miteinander verwachsen können. In den meisten Fällen erholt sich danach die Sehkraft, allerdings nicht immer bis zur vollen Sehleistung.

Erblindungen verhindern durch regelmäßige Kontrollen und Behandlungen

Um eine heute leider immer noch zu oft auftretende Erblindung in Folge der diabetische Retinopathie zu verhindern ist es wichtig, die Veränderungen des Augenhintergrundes frühzeitig zu erkennen und den Diabetes optimal und vor allem konsequent zu behandeln. Handeln Sie, bevor es zu einem Problem kommt!

Weitere Informationen erhalten Sie auch beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.

Autorinnen

Autorin Astrid HofmannClaudia Donath und Astrid Hofmann sind Diabetesberaterinnen DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft): Sie bringen umfangreiche Erfahrung rund um das Thema Diabetes mit und haben dabei große Freude dieses Wissen in Form von leicht verständlichen Texten und aktuellen Beiträgen für den Leser aufzubereiten. Darüber hinaus beraten und schulen sie mit viel Engagement Menschen aller Typen des Diabetes, dazu zählen insbesondere auch Kinder und Schwangere.

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