Erfahrungsbericht zur CamAPS FX App

Ich hatte die Möglichkeit die CamAPS (Cambridge Artifical Pancreas System) FX App 4 Wochen kostenfrei (einmaliges Angebot vom Anbieter) zu nutzen. Meine Erwartungen waren sehr hoch, weil ich im Vorfeld viele positive Bewertungen erfahren hatte. Vor einem Jahr war ich schon in der glücklichen Situation den Auto-Modus der MiniMed 670G für 3 Monate zu testen. Die Thematik „Auto-Modus“ war in beiden Fällen eine große Herausforderung für mich. Mit meinen aktuellen Therapie- Einstellungen erreichte ich eine TIR (Time in Range) von durchschnittlich 80 %. Durch die Nutzung des Auto-Modus konnte ich meine TIR  weiterhin verbessern, was aber eine intensive Betrachtung der einzelnen Parameter (Zeit des aktiven Insulins, Kohlenhydrate-Faktor, Bewegung, Hormone, Alltagssituationen) voraussetzte.


Ich bin Nutzerin der Dana RS, des Dexcom G6-Systems und dem Cloud Upload Portal Diasend/ Glooko, sowie verwende ich ein Android-Smartphone. Somit konnte ich, ohne Umstellung oder zusätzliche Kosten, die CamAPS FX mit der Dana RS für einen Monat nutzen.

Für was ist die CamAPS FX App da?

Die CampAPS FX App besitzt einen sog. Auto-Modus. Ist dieser aktiviert, so wird die Insulinabgabe der Insulinpumpe auf Grundlage der Glukosewerte über einen (automatisierten) Algorithmus gesteuert. Das betrifft die basale Insulinversorgung und die Korrektur auf den einprogrammierten Zielwert.

Wie installiert man die CamAPS App?

Das Installieren der CampAPS FX App war schnell erledigt. Man muss einen Account anlegen und ein CamAPS-Training von CDEP (Bedingung für Eingabe der Trainer Identifikationsnummer) durchführen. Vorher ist das Deinstallieren der Dexcom App notwendig. Nach Erwerb der CamAPS FX App bei Amazon, kann sie auf dem Smartphone installiert werden. Der Anwender wird durch das Menü geführt mit folgenden Eingaben: Seriennummer der Insulinpumpe, Identifikationsnummer, Seriennummer des Transmitters, Körpergewicht, totale tägliche Insulindosis (der letzten 5 Tage).

Voraussetzung für den Auto-Modus

Alle Therapiedaten (wie bspw. Kohlehydrate-Faktor, Korrekturfaktor, Zeit des aktiven Insulins usw.) werden aus der Insulinpumpe in die CampAPS FX App übernommen. Bedingung für den Auto- Modus ist die Aktivierung der Funktion „Verzögerter Bolus“ und die Einstellung „Bolus-Schrittgröße“ 0,05 IE.
Nachdem die Insulinpumpen-Verbindung und Transmitter-Verbindung erfolgreich beendet sind, wird ein neuer Glukose-Sensor gestartet. Die Eingabe des Sensorcodes ist auch hier erforderlich. Nach der zweistündigen Aufwärmphase kann es dann schon losgehen.

Abb. 1

Im Training von CDEP wurde vermittelt, welche Einstellungen sinnvoll sind, um den Auto-Modus effektiv nutzen zu können.


Die CampAPS FX App ist sehr übersichtlich aufgebaut, sodass die Eingaben der individuellen Einstellungen wenig Zeit in Anspruch nehmen. Eine Besonderheit ist die Einstellung des persönlichen Glukoseziels (Abb. 1), welches im Auto- Modus verwendet wird. Das vorprogrammierte Ziel von 5,8 mmol/l (104 mg/dl) kann entsprechend verändert werden. Hier konnte ich für mich nachts den Wert etwas höher einstellen als am Tag.

Nachdem die Aufwärmphase des Sensors (Abb. 2) beendet war und ich alle Einstellungen überprüft hatte, aktivierte ich den Auto-Modus (Abb. 3).
Der Wechsel zwischen „Auto mode an“ und „Auto mode aus“ kann ganz einfach am unteren Bildschirm aktiviert werden. Im „Auto mode aus“ ist die programmierte Basalrate aktiv und die Bedienung kann zusätzlich auch über die Insulinpumpe erfolgen. Eine Orientierungshilfe, in welchem Modus man sich befindet, ist die farbliche Änderung des Bildschirms.

Abb. 2
Abb. 3

Die Herausforderung der Mahlzeiten- Berechnung

In den ersten 2 Woche war ich erstmal sehr skeptisch, weil die adaptive Abgabe des Insulins im Auto-Modus für mich noch nicht klar erkennbar war. Wie schon bei der Verwendung des Auto-Modus mit der MiniMed 670G hatte ich auch hier wieder die Anpassungsschwierigkeiten der Mahlzeiten- Berechnung. Diesmal war die genaue Berechnung der Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße für mich leichter zu händeln, weil ich mich zum größten Teil im Homeoffice befand und ich jederzeit mein Essen abwiegen konnte. Das „unberechenbare“ sind zum größten Teil Saucen, Dips, Konserven und außer Haus Speisen. Da ich in den meisten Fällen keine großen Mengen davon esse, konnte der Auto-Modus diese „unberechenbaren Kohlenhydrate“ sehr gut abfangen.

Die „Boost“ Funktion

Meine morgendlichen postprandialen Anstiege optimierte ich mit dem SEA (Bolusabgabe ca. 15 min vor dem Essen), natürlich abhängig vom Ausgangs- Glukosewert. Eine weitere Option zur Verhinderung eines zu starken Anstiegs war die Nutzung der Funktion „Boost“ (Abb. 4). Der Zeitraum für diese Funktion ist variabel einstellbar, auch eine Vorprogrammierung ist möglich. Die Länge der Zeit und den Beginn habe ich vom Glukosewert und den Trendanzeigen abhängig gemacht. Bei dieser Aktivierung wird die Insulingabe um 30% erhöht, solange bis das persönliche Glukoseziel wieder erreicht ist.

Die Funktion „Boost“ war auch hilfreich bei einem länger anhaltenden Glukosewert über dem Zielbereich. Die Gefahr aus dem Auto- Modus geworfen zu werden, war hier nicht gegeben.
Um Werte über dem Glukoseziel schnell zu korrigieren, ist dies möglich mit Eingabe des Glukosewertes (Abb. 5). Der Korrektur-Bolus wird errechnet und kann abgegeben werden.

Abb. 4
Abb. 5

Mahlzeitenmenge

Abb. 6

Die Einstellung „Mahlzeitenmenge“ fand ich auch sehr gut. Meistens esse ich zum Frühstück und zum Abend ähnlich große Mengen an Kohlenhydrate. Hier kann die Kohlenhydrat-Menge individuell hinterlegt werden. Man hat 4 verschiedene namentliche Vorgaben: „kleine“, „mittlere“, „große“, „sehr große“ (Abb. 6). Somit war es täglich sehr einfach seine entsprechende Menge an Kohlenhydraten aufzurufen und den Bolus laut hinterlegten Kohlehydrat-Faktors zu aktivieren. Ansonsten werden die Gramm Kohlenhydrate manuell eingeben und berechnet.

Die Easy-off Funktion

Für Situationen mit körperlicher Belastung (bspw. Hausputz, Spaziergänge, Sport usw.) habe ich die Einstellung „Ease-off“ (Abb. 13) genutzt. Hier wird die Insulinabgabe reduziert und das Glukoseziel für den eingestellten Zeitraum erhöht. Das hat auch gut funktioniert nach einem Abendessen mit zwei Gläsern Wein.


Beide Funktionen „Boost“ und „Easy off“ können jederzeit deaktiviert werden.

Abb. 13

Muster und Statistiken

Nach 14 Tagen habe ich ein Insulinabgabe- Muster festgestellt, was mich erstmal zu einer intensiven Kontrolle meiner Statistiken bewegte. Hier sah ich, dass bezüglich meiner zeitlichen Mahlzeiten- Insulingaben und der adaptiven Insulinabgabe ein Muster zu erkennen war. In der Woche von Montag bis Freitag habe ich immer zur gleichen Zeit (6:30 Uhr) Frühstück gegessen. Am Wochenende Samstag und Sonntag war meine Frühstückszeit 2 Stunden später (8:30 Uhr). Ich wunderte mich, dass ich am Wochenende zu den Frühstückszeiten (6:30 Uhr) in den Hypobereich rutschte. Nach längeren Überlegungen war meine Schlussfolgerung, dass der Algorhytmus eine gewisse Lernphase genutzt hat, um die adaptive Abgabe zu errechnen. Für eine längerfristige und exakte Einschätzung meiner Beobachtung reichte leider die Zeit der Nutzung dieser CampAPS FX App von einem Monat nicht aus.

Eingabe von Kohlenhydraten bei einer Hypoglykämie

Für die Eingabe von Kohlenhydraten bei einer Hypoglykämie steht ein separates Eingabefeld zur Verfügung. In der Auswertung konnte ich sehr gut ableiten, wie viele Kohlenhydrate notwendig sind, um die Glukose wieder in den Zielbereich zu bekommen.

Einschätzung zum Aufbau der CampAPS FX App

Die CampAPS FX App ist wunderbar aufgebaut, weil der Zugang zu wichtigen Informationen jederzeit und einfach möglich ist. Mit dem Aufrufen des Menüs „Statistik“ hat man eine Kurzübersicht der Daten. Die Auswahl kann gewählt werden zwischen täglich (Abb. 9 und 10), wöchentlich (Abb. 11), monatlich und der letzten drei Monate. Das vereinfacht eine momentane Einschätzung ohne Herunterladen der Daten mit einem zusätzlichen Gerät. 

Abb. 9
Abb. 10
Abb. 11

Die Grafik kann am Bildschirm (Querformat) gezoomt werden, um zeitliche Aspekte genauer anzuschauen (Abb. 12). In der Grafik ist es möglich, die letzten 15 Tage einzusehen.

Abb. 12
  1. Mahlzeit

  2. Mahlzeiten-Bolus und KH-Menge

  3. Warnung „hoher Wert“ (gelb)

  4. Sensorglukose außerhalb des Glukosezielbereiches (offene Punkte)

  5. Sensorglukose im Glukosezielbereich

  6. Warnung „niedriger Wert“ (rot)

  7. vorprogrammierte BR in der Insulinpumpe

  8. abgegebene Insulinmenge

In der rechten oberen Ecke des Startbildschirmes befindet sich das Symbol „zusätzliche Informationen“. Das habe ich oft genutzt, um mir einen aktuellen Überblick zu verschaffen, wie bspw. aktives Insulin; Insulinabgaberate; durchschnittliche Glukose heute und gestern; Insulin heute und gestern. Es war schon interessant zu sehen, zu welchen Zeiten die adaptive Insulinabgabe  von der einprogrammierten Basalrate abweicht. Diese ist zum Vergleich auch in der Grafik abgebildet.

Das Verhältnis Basal:Bolus

Meine Auswertung nach 4 Wochen hat ergeben, dass sich das prozentuale Verhältnis Basal : Bolus verschoben hat. Ursprünglich (ohne Auto- Modus) war ich durchschnittlich bei einem Verhältnis 50 % : 50 %. Die Auswertung nach Nutzung des Auto- Modus ergab ein Verhältnis Basal 40 % : Bolus 60 %.
Ich bin in einem Alter, wo hormonelle Einflüsse eine große Rolle spielen. Dafür ist die adaptive Abgabe des Insulins auf Grundlage der Glukosewerte ein deutlicher Vorteil.

Alarme

Abb. 7

Die Alarmeinstellungen habe ich individuell programmiert. Alarmpläne (Abb. 7) können namentlich benannt und nach Wochentagen ausgewählt werden. Für mich war für die Nacht nur einen Alarm wichtig, der zeitlich eingestellt werden konnte. Für den Tag habe ich Alarme wie bspw. Anstiegsrate und Fallrate dazu genommen.

Einrichten von Followern

Das Einrichten von Followern geht schnell und einfach (Voraussetzung die gelisteten Geräte). Man sucht sich unter der Funktion „Teilen“ den (max. 5) Follower heraus und gibt die Telefonnummer und den Spitznamen ein (Abb. 8). Dann wird an den Follower ein Überprüfungscode gesendet, welcher dann bestätigt werden muss. Danach erhält der Follower alle Warnmeldungen und Alarme. Mir hat nicht gefallen, dass es hier keine Auswahlmöglichkeiten gab, welche Meldungen der Follower erhalten soll und welche nicht.

Abb. 8

Daten auswerten

Damit alle Daten ausgelesen werden können, erteilt man unter der Funktion „Teilen“ bei Benutzer die Freigabe an Diasend. Ein bestehendes Konto ist Voraussetzung. Die Auswertung mit Diasend ist sehr übersichtlich und mit gewissen Filterfunktionen können einzelne Betrachtungen gemacht werden.

Darstellen der Daten in einer Software

Die größte Erleichterung für mich war die Darstellung von Insulinpumpendaten und CGM- Daten in einer Software, was sonst bezüglich der Dana RS (ohne zusätzlichen Aufwand) nicht möglich ist. In der CampAPS FX App ist das Bedienfeld „Häufig gestellte Fragen“ integriert. Somit war es für mich als Anfänger sehr hilfreich einige Informationen schnell nachzulesen.

Mein Fazit:

Ich war sehr zufrieden mit der Nutzung der CamAPS FX App.
Die Bedienung der Insulinpumpe (außer bspw. Füllprogramm) und Überwachung desCGM-Systems erfolgte ausschließlich über mein Smartphone. Diesbezüglich musste ich mich etwas umstellen, da ich das Smartphone nun tatsächlich Tag und Nacht immer in meiner unmittelbaren Nähe haben musste. Nicht jedes Kleidungsstück hat eine Tasche, wo ein Handy reinpasst. Aber inzwischen gibt es ja schicke Umhängetaschen für diese Zwecke. Eine kurze Verbindungsunterbrechung hatte ich nur einmal. Sehr angenehm ist die Option, dass die Insulinpumpe in der Kleidung verbleiben kann und alles mit bzw. auf dem Smartphone bedient und gelesen werden kann. Der Akku muss mindestens alle 2 Tage aufgeladen werden. Die Kombination mit dem Dexcom G6-System hat natürlich auch den Vorteil, dass keine Kalibrierungen notwendig sind für die einzelnen Funktionen. Es ist aber möglich einen Kalibrierungswert in die App einzugeben, falls das für die Therapie notwendig ist.
Leider ist die CampAPS FX App bis dato kostenpflichtig und für eine ständige Nutzung fehlt mir der Support in deutscher Sprache, an den man sich mit Fragen oder Problemen wenden kann.

HINWEIS:
Mein Bericht ist allein nur ein Erfahrungsbericht ohne medizinische Empfehlungen!
Die Entscheidung die CamAPS FX App mal zu testen, unterlag keiner ärztlichen Empfehlung.

Autorin

Autorin Jeannette BirkholzJeannette Birkholz, Insulinpumpen-Referentin: 1982 wurde bei mir der Typ 1- Diabetes diagnostiziert, seitdem ist Diabetes mein ständiger Begleiter. Mein größtes Glück war 2007, als ich mit der Insulinpumpentherapie beginnen konnte, später kam noch das CGM hinzu. Die spannende Entwicklung der modernen Technologie zu verfolgen und neue Produkte auszuprobieren ist eine Bereicherung für meinen Alltag.

Seit 2008 bin bei Mediq Direkt Diabetes tätig und gebe gern, in meiner Funktion als Insulinpumpen-Referentin, mein Wissen und viele eigene Erfahrungen an unsere Kunden weiter. Während meiner Tätigkeit im Außendienst für die Firma Mediq Direkt Diabetes habe ich erfahren, wie wissbegierig unsere Kunden sind und besonderen Wert auf kompetente Beratung legen. Ich freue mich, Ihre Ansprechpartnerin zu sein und möchte Sie unterstützen, die kleinen und großen Hürden des Alltags zu meistern.

Ganz privat liebe ich den Strand und das Meer. Das liegt daran, dass ich an der Ostseeküste aufgewachsen bin und noch heute glücklich dort lebe.

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