Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Als Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) bezeichnet man eine Erhöhung des Blutzuckers, welche erstmals in der Schwangerschaft auftritt. Schwangerschaftsdiabetes wird bei ca. 5 % der deutschen Schwangeren diagnostiziert. 

Zuckerbelastungstests bei jeder Schwangerschaft empfohlen

Festgestellt wird ein Schwangerschaftsdiabetes durch einen sogenannten Blutzucker-Suchtest (Screeningtest). Dieser ist seit dem 03.03.2016 fester Bestandteil der Schwangerenvorsorge. Zuerst findet der Suchtest mit 50 g Glukoselösung statt. Diesen sollte jede Schwangere in der 24. Bis 28. Schwangerschaftswoche durchführen lassen. Für diesen Suchtest muss man nicht nüchtern sein. Eine Stunde nach dem Verzehr der Lösung wird Blut aus der Armvene entgenommen und die Höhe des Blutzuckers bestimmt. 

Ist der gemessene Blutzuckerwert auffällig – liegt der Wert über 135 mg/dl (7,5 mmol/l) – so besteht der Verdacht auf Gestationsdiabetes und es sollte zur Diagnosestellung zeitnah einer oraler Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75 g Zuckerlösung durchgeführt werden.

Bei diesem Test werden 3 Blutzuckerwerte kontrolliert, der Nüchternwert und die Blutzuckerwerte  1 und 2 Stunden nach dem Verzehr der Zuckerlösung. Bei Überschreiten der festgelegten Grenzwerte für den Blutzucker - zum Beispiel über 90 mg/dl (5,0 mmol/l) nüchtern - liegt ein Schwangerschaftsdiabetes vor.

DIE WAHRSCHEINLICHKEIT FÜR EINE SCHWANGERSCHAFTSDIABETES IST ERHÖHT BEI VORLIEGEN FOLGENDER RISIKOFAKTOREN:

 

  • Übergewicht (Body-Mass-Index vor der Schwangerschaft höher als 27)
  • Diabetes mellitus Typ-2 bei Eltern oder Geschwistern
  • Schwangerschaftsdiabetes in einer vorangegangenen Schwangerschaft
  • Vorangegangene Geburt eines Kindes mit einem Geburtsgewicht über 4500 g
  • Missbildungen des Kindes in einer früheren Schwangerschaft
  • Vorangegangene Totgeburt
  • Mehr als drei Fehlgeburten hintereinander 

Wenn bei einer Schwangeren ein oder mehrere dieser Risikofaktor(en) vorliegen, sollte der oGTT bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel durchgeführt werden. Bei einem unauffälligem Ergebnis wird empfohlen, den oGTT sicherheitshalber zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche erneut durchzuführen. Bei weiter unauffälligen Werten sollte der Test trotzdem zwischen der 32. und 34. Schwangerschaftswoche nochmals wiederholt werden, da sich in diesem Zeitraum durch den nochmals deutlich erhöhten Insulinbedarf ein Gestationsdiabetes entwickeln kann.

 

Gesunde Ernährung ist die beste Medizin

Die Therapie des Schwangerschaftsdiabetes besteht im Wesentlichen aus einer Verbesserung der Ernährung und Bewegung. Bei über 80 % aller Betroffenen kann der Schwangerschaftsdiabetes auf diese Weise erfolgreich behandelt werden. Es sollten einfache Kohlenhydrate (insbesondere Haushaltszucker) vermieden und stattdessen viele ballaststoffreiche Vollkornprodukte gegessen werden.

Die Schwangere mit Diabetes lernt selbst ihren Blutzucker zu messen. Diese Blutzuckerselbstmessungen erfolgen zunächst sechs Mal täglich, im weiteren Verlauf der Schwangerschaft bisweilen seltener. Wenn trotz verbesserter Ernährung die Zielwerte für den Blutzucker überschritten werden, ist die Therapie mit Insulin empfohlen. Falls ein Schwangerschaftsdiabetes unentdeckt oder unbehandelt bleibt, kann dies zu großen und schweren Kindern führen und das Risiko für Komplikationen bei der Geburt erhöhen.

Sechs bis 12 Wochen nach der Geburt sollte der oGTT wiederholt werden, um den Blutzucker zu kontrollieren. Bei mehr als 95 % der ehemaligen Schwangerschaftsdiabetikerinnen sind die Blutzuckerwerte nach der Entbindung normalisiert.

Typ-1-Diabetikerinnen sind am besten mit Inuslinpumpe behandelt

Bei Typ1-Diabetikerinnen, die schwanger werden wollen, wird empfohlen, die Blutzuckerwerte bereits vor der Empfängnis zu normalisieren. Auch während der Schwangerschaft werden möglichst gute Blutzuckerwerte angestrebt, um die Gesundheit des werdenden Kindes sicherzustellen. 

Dies kann am besten durch eine Insulinpumpentherapie erreicht werden. Das ist auch der Grund, warum bei Frauen mit Typ-1-Diabetes und Kinderwunsch eine Insulinpumpentherapie von den Krankenkassen in der Regel genehmigt wird.

 

(Dr. med. Winfried Keuthage, Diabetologe DDG)

Lesen Sie im Mediq-Ratgeberflyer Gestationsdiabetes - Diabetes in der Schwangerschaft nach, was Sie über Schwangerschaftsdiabetes wissen müssen!

© Copyright Mediq Direkt Diabetes GmbH 2017